Rinteln

Zu spektakulär für die Schweiz?

Rinteln (cok). Auch die kleine Schweiz kann ein eindrucksvolles Politdrama bieten, bei dem alles aufgefahren wird, was Medien in Aufruhr versetzt: Intrigen, öffentlicher Ehekrach, Freundschaftsverrat und das Ende einer eindrucksvollen Karriere, bei dem der Verlierer doch noch ein Gewinner bleibt.

Die Verfilmung von Thomas Hürlimanns Erfolgsroman „Der große Kater“ hatte in der Schweiz bereits Premiere, läuft in Deutschland aber erst im Juli an. Das Metropol in Steinbergen gehört zu den wenigen Kinos, die das für den Deutschen Filmpreis nominierte Werk bereits jetzt in einer deutschen Vorpremiere zeigen können.

Wer sich die entsprechenden Trailer ansieht, ist zunächst von der Akustik des Filmes wie erschlagen. Der melodramatische Soundtrack verspricht aufwühlende Gefühlsverwirrungen; das für deutsche Ohren zunächst fast unverständliche Schwyzerdütsch der Schauspieler aber bringt einen unbedingt zum Lachen.

Bruno Ganz agiert als Schweizer Bundespräsident, der den Besuch des spanischen Königspaares als Medienspektakel inszeniert, um selbst wieder grandios im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu stehen. Er muss sich, ebenso wie alle anderen Darsteller, auf Schwyzerdeutsch der Tatsache stellen, dass sein bester Freund (Ulrich Tukur) ihm hinterhältig die ganze Show vermasselt.

Die Zuschauer in Steinbergen werden dieses eigenartige Mundart-Vergnügen original erleben, anders als spätere Kinobesucher, denen man dann eine neu synchronisierte Fassung anbieten wird. Schon das spricht dafür, sich die Vorpremiere der deutsch-schweizerischen Koproduktion nicht zu entgehen zu lassen, die auch sonst mit einer Reihe bekannter Schauspieler (Maria Bäumer, Edgar Selge und Christiane Paul sind mit dabei) – gute Unterhaltung verspricht.

Die Geschichte rund um den Bundespräsidenten ist angelehnt an Hürlimanns autobiografisch gefärbten Roman, in dem er sich mit seinem Vater, dem ehemaligen Schweizer Bundespräsidenten Hans Hürlimann, auseinandersetzt und die schmerzliche Erfahrung beschreibt, wie ein Familienleben der politischen Karriere geopfert wird. Durch die Intrigen des eifersüchtigen Ex-Geliebten der Präsidentenfrau findet der Besuch des Königspaares aus Spanien unvermutet im Hospital statt, wo der todkranke Sohn des Politikers scheinbar als Mittel zur Imageverbesserung seines Vaters eingesetzt wird.

In Bern stieß „Der große Kater“ auf geteilte Kritik. Während einerseits das einfühlsame Spiel von Bruno Ganz hoch gelobt wurde als eindrückliches Porträt eines letztlich verkannten Menschen, wirft man dem pompös von Regisseur Wolfgang Panzer inszenierten Film auf der anderen Seite eine gewisse Unglaubwürdigkeit vor. Die Geschehnisse seien einfach zu spektakulär für die Schweiz, um einen wie auch immer überspitzten Einblick in die wahre Politik abgeben zu können.

Der „große Kater“, das ist der Spitzname des Bundespräsidenten, der auf seine Weise immer wieder auf die Beine fällt, so, wie eine Katze, die man aus dem Fenster wirft. Vielleicht gelingt es auch diesem Film, trotz der genannten Schwächen, so richtig schön ins Laufen zu kommen. Den Bayrischen Filmpreis hat er sich immerhin schon erobert.

Artikel vom 10.03.2010 - 23.00 Uhr
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