Rinteln
Erste Tennis-Begegnungen am SteinangerTennisspiel bei Rot-Weiß in alter Zeit – noch mit Balljungen. Fotos (3): pr.
Rinteln (jaj). Am Steinanger, wo heute Fußballer und Reiter ihr Domizil haben, war vor fast 100 Jahren eine andere Sportart ansässig: Tennis. Schon Ende der zwanziger Jahre wurden dort zwei Tennisplätze errichtet, gefördert vom damaligen Bürgermeister Karl Wachsmuth. Er war es auch, der im August 1930, vor 80 Jahren, den Tennisverein Rot-Weiß Rinteln gründete.
Elf Jahre lang blieb Wachsmuth erster Vorsitzender, bis der Zweite Weltkrieg das Vereinsleben zum Erliegen brachte. Auf den Tennisplätzen am Steinanger wurden Notunterkünfte für Vertriebene errichtet. Und auch als sich nach Kriegsende die ersten Vereinsmitglieder wieder zusammenfanden, war an Tennisspielen noch nicht zu denken. „Die Mitglieder haben ersatzweise Tischtennis gespielt“, weiß Heidrun Prasuhn-Richter, heutige erste Vorsitzende des Vereins.
1949 war es dann schließlich so weit, der erste Tennisplatz an der Waldkaterallee war fertiggestellt: Es konnte wieder Tennis gespielt werden. „Damals war es wirklich noch ein weißer Sport“, weiß Prasuhn-Richter. Die Frauen trugen lange weiße Faltenröcke, Kniestrümpfe und nicht selten sogar Schuhe mit Absatz. Und auch für die Herren waren weiße Shorts und Hemden obligatorisch. Selbst die Tennisbälle waren damals weiß.
„Das war aber auch noch so, als ich vor 28 Jahren in den Verein eingetreten bin“, erinnert sich die Vorsitzende. Zwar wurden die Röcke mit der Zeit kürzer, doch es war immer noch undenkbar mit einem bunten T-Shirt auf dem Platz zu erscheinen. „Das änderte sich erst mit Andre Agassis Auftritten in den Neunzigern.“
Doch nicht nur die Kleiderordnung auf dem Tennisplatz hat sich verändert. „Tennis hat einen Wandel vom weißen Sport zum Breitensport erlebt“, sagt Prasuhn-Richter. Als sie dem Verein beitreten wollte, musste sie noch zwei Bürgen vorweisen. Denn irgendwie war Tennis doch eine Sportart für die Oberschicht. „Das ist heute nicht mehr so. Heute ist es unwichtig, wer oder was du bist. Wichtig ist nur das Interesse an der Sportart und am Verein.“
Das Bild hat sich sogar ins Gegenteil gewandelt, heute muss Rot-Weiß Rinteln aktive Mitgliederwerbung betreiben. „Nach dem großen Boom durch Boris Becker und Steffi Graf gingen die Mitgliederzahlen langsam aber sicher immer weiter zurück“, erzählt sie. Im Moment hat der Verein etwa 250 Mitglieder, davon etwa 40 Jugendliche. Das klingt viel, doch die Altersstruktur macht der Vorsitzenden zu schaffen. „Gerade die jungen Leute müssen in der Ausbildung und im Berufsleben sehr flexibel sein und verlassen Rinteln infolgedessen.“ Um dennoch immer wieder junge Menschen an den Sport heranzuführen, arbeitet der Verein mit den örtlichen Schulen zusammen. „Auch das Streettennis-Turnier in diesem Jahr war ein großer Erfolg.“
Mittlerweile hat der Verein insgesamt vier Tennisplätze und ein Vereinsheim mit Bewirtung auf der Anlage an der Waldkaterallee. Und auch sportlich ist Rot-Weiß Rinteln gut dabei: In diesem Jahr nehmen fünf Herren-, eine Damen- und acht Jugendmannschaften am Punktspielbetrieb teil. „Wir freuen uns aber immer über Interessierte, die bei uns spielen möchten. Ohne Bürgen natürlich!“
Die 80-jährige Vereinsgeschichte nutzt Rot-Weiß Rinteln, um noch einmal an die Anfänge des Sports zu erinnern. „Am Sonntag, 5. September, veranstalten wir zusammen mit dem Tennisclub ein großes Nostalgie-Turnier auf unserer Anlage“, erzählt Prasuhn-Richter. Mit dabei die klassische weiße Kleidung. „Unser Sportwart bestellt sogar extra weiße Tennisbälle.“ Am Samstag, 18. September, folgt der große Jubiläumsball – ebenfalls zusammen mit dem Tennisclub Obernkirchen, der gerade seit 60 Jahren besteht. Gefeiert wird im Ratskeller, es spielt die Band „La Cubana“. „Alle Tennisfreunde und interessierten Sportler sind herzlich eingeladen, mit uns zu feiern“, sagt Prasuhn-Richter. Eintrittskarten gibt es im Tennisheim an der Waldkaterallee und unter Telefon (0 57 51) 52 51.