Rinteln

Eisige Kälte: Heizöl und Monteure heiß begehrt

Rinteln (jaj/wm/pk). Fast eine Woche lang hat die Kälte Rinteln jetzt schon fest im Griff – und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Die Auswirkungen, die die Minustemperaturen mit sich bringen, sind vielfältig, vor allem das Thema Heizen steht derzeit bei vielen Rintelnern ganz oben auf der Prioritätenliste.

Bei den Stadtwerken macht sich die Kälte sogar in Zahlen bemerkbar. „Der Gasabsatz ist gegenüber wärmeren Januartagen um 30 Prozent gestiegen“, sagt Stadtwerke-Chef Jürgen Peterson. An einem Januar-Tag mit einer Durchschnittstemperatur von null Grad habe der Verbrauch bei rund 1 300 000 Kilowattstunden gelegen. Vorgestern, bei einer Durchschnittstemperatur von etwa 6,5 Grad minus waren es stolze 1 700 000 Kilowattstunden. Sorgen, dass das Erdgas irgendwann aufgebraucht ist, müsste sich aber niemand machen. „Es gibt keine Engpässe“, beruhigt er. Auch Probleme mit den Leitungen haben die Stadtwerke nicht. „Unsere Wasserleitungen sind so tief verlegt, dass sie nicht einfrieren können“, erklärt er. Ganz anders sei es bei Hausanschlüssen. Peterson weist in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, dass die Hauseigentümer bei den aktuellen Temperaturen unbedingt darauf achten sollten, dass die Frostwächter an den Heizkörpern auch in nicht genutzten Räumen eingeschaltet sind. „Nicht, dass es da noch eine böse Überraschung gibt.“

Dass es die trotz gut gemeinter Ratschläge doch immer wieder gibt, bestätigen die heimischen Heizungstechniker. „Bei uns klingelt alle drei Minuten das Telefon“, sagt Indra Caselitz vom gleichnamigen Sanitär- und Heizungstechnik-Unternehmen. Ihre Handwerker seien momentan vor allem mit defekten Heizungen und eingefrorenen oder gar geplatzten Leitungen beschäftigt. „Einmal lief das Wasser sogar schon das Treppenhaus runter“, sagt sie.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Eckel Versorgungstechnik. Auch hier klingelt das Telefon in einer Tour, die Mitarbeiter sind im Dauereinsatz. Teilweise sogar bis in den späten Abend hinein. „Und morgens geht es dann gleich weiter“, sagt Klaus Meier, technischer Angestellter. Er rät dazu, genau zu prüfen, ob alle Kellerfenster geschlossen sind. „Es kommt immer wieder vor, dass irgendwo ein Fenster offen ist und wir dann angerufen werden, weil die Leitungen einfrieren“, sagt er.

Nicht anrufen muss Claus Brandt vom Reiterhof Schulze in Hohenrode. Er kann noch gelassen auf das Thermometer in der Stallgasse schauen. Zwar waren es gestern Morgen im Stall bei geschlossenen Türen und Fenstern gerade mal null Grad. Die Leitungsrohre, die zu den Tränken der 44 Pferdeboxen führen, funktionieren aber trotzdem. Sie sind beheizt und isoliert und sogar bis minus 20 Grad frostsicher, sodass die Rösser auch bei den aktuellen Temperaturen 24 Stunden täglich an Wasser kommen. Für vier Pferde in anderen Ställen hat Brandt Wasserkübel mit Stroh isoliert. Den Vierbeinern selbst machen die derzeitigen Temperaturen nichts aus: Pferde mit Winterfell halten trockene Kälte problemlos aus. Wieweit das Thermometer in den Keller gehen kann, hängt dabei von der Rasse ab: Araber zittern eher als Norweger-Ponys, denen auch minus 20 Grad nichts ausmacht. Schutz brauchen Offenstallpferde aber vor der Kombination Nässe, Kälte und stürmischer Wind, schildert Wanderreitführer Uwe Hausmann aus Strücken.

Neben Erdgas ist auch Heizöl in diesen Tagen ein begehrtes Gut. „Wir sind von dunkel bis dunkel im Einsatz“, sagt Manfred Nagel von der Raiffeisen Lippe-Weser AG. Die Nachfrage sei seit Montag, also seit Beginn der Kältewelle sprunghaft gestiegen. „Das kam von null auf hundert.“ In der vergangenen Woche habe man noch überlegt, Mitarbeiter in den Urlaub zu schicken, weil nicht so viel zu tun war, jetzt würde hier und da eigentlich sogar ein Mann fehlen.

Mit zwei Fahrzeugen wird das Heizöl im Bereich Rinteln ausgeliefert, und meist brauchen die Kunden es schnellstmöglich. „Das Preisniveau hält die Menschen zunächst zurück“, vermutet er. In dem bisher milden Winter sei das ja auch möglich gewesen, mit Einbruch der Kältewelle hätten dann aber doch viele Kunden eine Lieferung bestellt – und die möglichst zu sofort. „Wir tun unser Bestes“, sagt Nagel. Man wolle ja niemanden zwei Tage lang in einer kalten Wohnung sitzen lassen. Trotz der eisigen Temperaturen bestellen die meisten Kunden nach wie vor nur relativ kleine Mengen Heizöl, die „Volltanker“ seien in der Mindestzahl. Meistens seien es nur 1000 oder 2000 Liter – gerade genug, um den Winter zu überstehen und danach wieder auf eine Preisänderung zu spekulieren.

Eine schöne Seite des Winters könnten gerade für Kinder natürliche Eisbahnen sein, doch dafür reicht der Winter noch nicht aus. Klaus Ulrich Hartmann vom städtischen Bauhof glaubt nicht, dass die Graft in den nächsten Tagen zum Eislaufen freigegeben werden kann: „Wir haben ja erst seit ein paar Tagen Dauerfrost.“ Und gerade auf der Graft, die ja auf der Südseite einen Zulauf und Strömung hat, hätten in der Vergangenheit schon weitaus längere Frostperioden nicht ausgereicht, um durchgehend eine benötigte Eisdecke von 13 bis 15 Zentimetern zu erreichen.

Manchmal hat der Winter aber auch einfach kuriose Auswirkungen: Einem Rintelner hat die Eiseskälte gestern das Frühstück verdorben. Als Arnold von Eulenburg morgens sein Frühstücksei ins Haus holen wollte, kam er zu spät. Die frisch gelegten Eier seiner Hühner aus dem Stall in der Nordstadt waren bereits eingefroren und stellenweise geplatzt. Essbar seien sie aber immer noch. „Jetzt tauen sie in der warmen Küche auf“, sagte er gestern unserer Zeitung gegenüber.

Artikel vom 03.02.2012 - 00.00 Uhr
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