Rinteln

Eis auf der Weser – aber noch trägt es nur Enten
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Rinteln (dil, kar). Eiszeit an der Weser. Zugefroren aber ist der Fluss noch nicht. Nur punktuell und meist in Randbereichen machen sich dünne Eisschichten bemerkbar. Auch runde Eisschollen sind hin und wieder zu sehen. Es soll bitterkalt bleiben. Wir die Weser jetzt bald zufrieren?

„Einen Zeitpunkt kann man nicht vorhersagen“, erklärt Odo Sigges vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden. Der Eislagebericht würde noch nicht vorliegen. Und ein Zufrieren der Weser hänge ohnehin von verschiedenen Faktoren ab. Als Erstes werden da gern die Salzeinleitungen der K+S AG sowie das Grohnder Kernkraftwerk ins Feld geführt. „Das macht aber längst nicht so viel aus, wie immer vermutet wird“, widerspricht der Gewässerkundler. Zwar würde sich durch die Kühlwasserentnahme und –abgabe des Kernkraftwerkes die Wassertemperatur der Weser dort um etwa 3 Grad Celsius erhöhen, daraus zu schließen, dass flussaufwärts von Grohnde die Weser schneller zufriere, sei falsch. Wichtiger seien Faktoren wie die geografische Lage, Tiefe und Fließgeschwindigkeit des Gewässers. Sigges: „Und auch die Nebenflüsse spielen eine nicht unerhebliche Rolle.“

Für die Oberweser im Bereich Hann. Münden stellt der Gewässer-Fachmann fest, dass dort Eisschollen treiben und die Randbereiche zugefroren sind. Die Weser beziehe ihr Wasser zu je einem Drittel aus Fulda und Werra, einem weiteren Drittel aus der Edertalsperre – „und 2 Kubikmeter pro Sekunde kommen aus der Diemeltalsperre“, listet Sigges auf. Im Moment werde mit 1,72 Metern noch ein hoher Weserpegel bei Hann. Münden gemessen. „Und auch die Fließgeschwindigkeit der Weser ist hoch.“ Dadurch verzögere sich ein Zufrieren stark.

Auch wenn der Eislagebericht zur Weser noch nicht vorliegt – die Wahrscheinlichkeit, dass man über die Weser bald so locker marschieren kann wie 1946 und 1963, ist gering. Die Weser ist zu tief und zu schnell.

Unser Leser Rainer Heinze hat inn der vergangenen Woche die vielen Meldungen über den Kälteeinbruch aus dem Osten gelesen. Das ermunterte ihn, in seinen alten Bildern zu kramen und sich an eine Weserüberquerung zu Fuß zu erinnern.

„Mein Sohn auf den Bildern wurde 1960 geboren und muss damals etwa drei bis vier Jahre alt gewesen sein, als wir zu Fuß unter der Brücke über die Weser spaziert sind“, schreibt Heinze. „Ich kann mich noch genau daran erinnern, als wenn es gestern war. Wir waren an der Weser unterwegs und sahen, dass mehrere Leute unter der Weserbrücke über das Eis der Weser liefen. Zunächst zögert man ja. Immerhin hatte ich ein kleines Kind bei mir. Aber als wir nach einiger Zeit sahen, dass viele Menschen gut über das Eis gegangen waren, trauten wir uns auch, diesen Weg zu gehen.“ Museumsleiter Dr. Stefan Meyer fand dies in einem altern Zeitungsband bestätigt. Der Eisgang sei ab 10. Januar 1946b auf der Weser zum Stehen gekommen.

Ehrenbürgermeister Friedrich-Wilhelm Hoppe erinnert sich noch an den Februar 1946. Da sei er selbst auf dem Eis über die Weser gegangen, Eisschollen habe es bis Mai auf der Weser gegeben

Schollen voraus: Das Eis auf der Weser bei Rinteln breitet sich in den Buhnen aus, lässt aber noch genug Platz für schwimmende Enten (o.). So sah es im Winter 1962/63 aus: Rainer Heinze und Sohn beim Spaziergang auf der Weser unter der Brücke (l).

Fotos: tol/pr.

Artikel vom 07.02.2012 - 00.00 Uhr
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