Rinteln
Blutende Pfote hängt nur noch an Hautfetzen Krankenhagen (dil). Stundenweise lief Kater „Franklin“ täglich draußen frei herum, kam stets wohlbehalten zurück zur Familie von Christine Müller, Nottbergstraße 54. Am Samstag um 18.30 Uhr saß das Tier aber humpelnd und blutend auf der Fensterbank. Die neunjährige Enkelin Laura Eckhardt stellte entsetzt fest: Eine Pfote hängt nur noch an einem Hautfetzen, der Beinknochen liegt blank und ist durchgebrochen.
Lauras Mutter Holly-Dora Eckhardt und deren Mutter Christine Müller rufen den Haustierarzt an, dessen Tonbandansage verweist auf den Notdienst einer Rintelner Praxis an der Konrad-Adenauer-Straße. „Wir sind dann gleich mit dem Kater dorthin gefahren“, berichtet Müller.
Nach der Erstversorgung entscheidet der Tierarzt: „Das Bein muss wohl amputiert werden.“ Aber auch mit drei Beinen könne eine Katze leben und alt werden. Zunächst gibt es eine Spritze gegen den Schmerz und Antibiotika. Der Kater bleibt in der Praxis. Da das Tier am Sonntag noch zu schwach war, wurde die Amputation auf Montag verschoben. Die Operation verläuft gut, „Franklin“ kann abends wieder abgeholt werden. Am Dienstag folgt noch einmal eine Nachsorge mit Fiebermessung, am Mittwoch geht es dem Kater wieder besser.
„Die Nacht von Montag auf Dienstag war für den Kater schlimm, denn er trug einen Trichter am Kopf, damit der nicht die Wunde leckt“, sagt Müller. „Und wir haben das Wohnzimmer von allem leergeräumt, wo er draufspringen könnte“, ergänzt Holly-Dora Eckhardt. „Auch mit drei Beinen würde ,Franklin‘ hinauf springen, aber beim Runterkommen risse bestimmt die Wunde wieder auf.“
Am Dienstag erstattete Müller bei der Polizei in Rinteln Anzeige gegen unbekannt. Zumindest hofft sie, die 400 Euro für die Operation von dem Schuldigen zu bekommen, wenn dieser ermittelt würde. Ihre Familie vermutet, dass „Franklin“ in eine Tellerfalle getreten ist, wie sie auch gegen Dachse und Füchse eingesetzt wird. Bei der Polizei war bereits ein ähnlicher Fall aus der Vorwoche im Auetal bekannt. Der Tierarzt hält aber auch Kontakt mit einem Rasenmäher oder Auto für möglich.
Dem Tierschutzverein Bückeburg-Rinteln sind solche Fälle schon oft begegnet, auch in jüngster Zeit, teilt Vorsitzende Monika Hachmeister mit. „Alles ist möglich.“
Christine Müller geht der Fall besonders nahe, weil sie „Franklin“ als unterkühltes, schwaches, wenige Tage altes Katzenkind einst gefunden und aufgepäppelt hatte: „Er ist einfach wie mein Baby. Es war für uns ein Schock, wir haben jetzt Angst um unsere anderen Katzen.“
Mit Trichter um den Hals ist das Füttern schwer: Christine Müller (rechts) und ihre Enkelin Laura Eckhardt mit Kater „Franklin“, dem eine Vorderpfote amputiert werden musste. Foto: dil