Rinteln
Absage an Brüderle: Kein Dialog mit BuddeDieter Budde legt seinem Brief an Rainer Brüderle zwei kritische SZ-Artikel zur FDP-Politik bei. Foto: dil
Rinteln (dil). Greift die FDP-Bundestagsfraktion gegen den Sinkflug der Partei schon nach jedem Strohhalm und wildert im Revier anderer Parteien? So kommt es jedenfalls Dieter Budde vor, mehr als 43 Jahre Mitglied der SPD und für diese in der Kommunalpolitik aktiv. Er hatte im November einen Brief vom Ex-Minister und heutigen Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, bekommen – und hat jetzt darauf geantwortet.
Brüderle hatte in dem offenbar vielfach versandten Brief auf das Bemühen der FDP um die Rettung des Euro hingewiesen. „Ihre 93 Abgeordneten der FDP-Bundestagsfraktion fühlen sich verantwortlich dafür, dass wir diese Krise meistern und Europa am Ende gestärkt daraus hervorgeht. Wenn wir Ihr Interesse geweckt haben, besuchen Sie doch gern eine unserer Informationsveranstaltungen zum Thema Eurostabilisierung und treten mit uns in Dialog. Ihre Meinung ist mir und meinen Fraktionskollegen wichtig. Dazu haben wir ein neues Dialogangebot entwickelt. Werden Sie Dialogpartner der FDP im Deutschen Bundestag.“ Ein Antwortfax liegt bei, aber auch online kann man sich melden.
Budde wunderte sich erst einmal, warum er in den Verteiler des Briefs geraten ist. Faxgerät und Computer hat er nicht. Also tippte er nach langer Überlegung auf der Schreibmaschine eine Antwort – immerhin als offener Brief, also mit Durchschlag für unsere Zeitung.
Wegen seiner jahrzehntelangen SPD-Zugehörigkeit wolle er als 74-Jähriger nicht mit Brüderle in den von diesem gewünschten Dialog treten. „Als überzeugter Sozialdemokrat liegen unsere Meinungen in allen Bereichsthemen doch weit auseinander.“ Die FDP wolle zwar für stabile öffentliche Haushalte in allen EU-Mitgliedsstaaten eintreten, verfolge aber Steuersenkungspolitik. Budde fragt Brüderle warum: „Um durch Steuersenkungen bei den Begünstigten Spenden für die Parteikasse zu erhalten?“
„Herr Brüderle, ich bedaure es außerordentlich, dass ein Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion sich an jeden Strohhalm klammern muss, den er erreichen kann, auch an die alten, brüchigen Halme aus dem Lager der SPD“, spottet Budde. „Ratsam wäre es, sich an Ihre Basis vor Ort zu wenden. Oder fehlt auch hier schon das Vertrauen?“
Budde empfiehlt die Lektüre von zwei beigelegten SZ-Artikeln über Unzufriedenheit an der Schaumburger FDP-Basis und die Stellvermehrung im FDP-geführten Entwicklungshilfeministerium für verdiente FDP-Mitglieder.
Budde abschließend: „Ich wünsche Ihnen, dass Sie einleuchtende Erkenntnisse erhalten, dass Ehrlichkeit, Wahrheit und Machbares im Wahlkampf zwar ein beschwerlicher, aber der beste Weg sind. Nicht zu realisierende Wahlverprechen führen zu: Versprochen – gebrochen (Herr Westerwelle). Wähler/innen haben nicht nur ein Kurzzeitgedächtnis.“