Rinteln

32 Arbeitsplätze, größere Räume, mehr Komfort
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Schaumburg (jaj). Kein Raum für eine große Gesellschaft, kein Fahrstuhl und keine behindertengerechten Zimmer – es gab viele Gründe, weshalb die Familie Kehlenbeck im Frühjahr des vergangenen Jahres beschlossen hatte, noch einmal in ihr Hotel-Restaurant „Schaumburger Ritter“ zu investieren. Was von den Gastronomen ursprünglich als kleinere Umbaumaßnahme gedacht war, für die sie nicht mehr als 300 000 Euro ausgeben wollten, hat sich zu einem Großprojekt entwickelt, das sogar das niedersächsische Wirtschaftsministerium jetzt als förderungswürdig für den Tourismus eingestuft hat. Es unterstützt das Vorhaben mit maximal 184 100 Euro.

Als Doreen und Stephan Kehlenbeck mit der Planung begonnen haben, wussten sie nicht einmal, dass es für solche Projekte überhaupt eine Förderung gibt. Dass es dennoch geklappt hat, danken beide der Stadt Rinteln, welche die Gastronomen auf den Fördertopf aufmerksam machte, nachdem der Bauantrag auf dem Tisch lag – für Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz etwas Selbstverständliches. Die Stadt sehe sich als Dienstleister, so etwas gehöre zu den Aufgaben. Er selbst steht voll und ganz hinter dem Projekt: „Für uns als Stadt ist Tourismus auch Arbeitsplatzsicherung und damit Wirtschaftsförderung“. Immerhin sei die Schaumburg neben dem Kloster Möllenbeck und der historischen Altstadt einer von drei Tourismus-Schwerpunkten im Stadtgebiet.

Im Zuge des Umbaus wird sich im „Schaumburger Ritter“ einiges ändern. Das Haupthaus bleibt in der jetzigen Form bestehen und wird nicht angetastet. Die angrenzende Knappenstube wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. In ihm soll künftig ein Saal im Erdgeschoss Platz für 120 Personen bieten. „In der Vergangenheit hatten wir immer wieder Anfragen für große Gesellschaften“, erklärt Kehlenbeck. Bisher war kein Raum dafür groß genug – das wird sich zukünftig ändern. „Der Saal soll außerdem mit aktuellen Medien ausgestattet werden,“ erklärt Bauingenieurin Edda Steding, die das Projekt betreut. Und auch Busgesellschaften könnten künftig in dem neuen Saal bewirtet werden.

Im Obergeschoss des Neubaus, der an der rechten Seite durch einen kleinen Turm abgeschlossen werden soll, werden außerdem neue Hotelzimmer eingerichtet, die dann auch über einen Aufzug erreichbar sind. Zwei der Zimmer werden barrierefrei, zwei weitere Hotelzimmer im Turm sogar rollstuhlgerecht ausgestattet. Insgesamt erhöht sich die Zimmeranzahl durch die Umbauarbeiten von aktuell 16 auf 24 Zimmer.

Ziel der Planung war, das beide Gebäude eine Einheit bilden und ins historische Ambiente passen, erklärt Steding. Obwohl die Gebäude des Schaumburger Ritters selbst nicht unter Denkmalschutz stehen, seien die Denkmalschützer in die Planung einbezogen gewesen, da die geschützte Schaumburg ja in direkter Nachbarschaft liegt.

Um die Fördermittel des Wirtschaftsministeriums zu erhalten, müssen die Kehlenbecks verschiedene Bedingungen erfüllen. So muss ihr Hotel, das aktuell drei Sterne hat, nach Abschluss des Bauvorhabens vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) im Bereich „Drei-Sterne-Superior“ klassifiziert werden, außerdem die Servicequalität des Unternehmens von der Initiative „Service-Qualität Deutschland“ mindestens mit der Stufe 1 bewertet werden. Das geschieht durch die Verleihung des sogenannten Q-Siegels. Eine weitere Zertifizierung, die der Schaumburger Ritter erlangen muss, ist das Gütezeichen „50plus Hotel“. Diese Auszeichnung bestätigt, dass das Hotel auf die besonderen Ansprüche der Generation 50plus abgestimmt ist.

Zudem ist der Nachweis des Prädikats „Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland“ gefordert. Dieses Siegel zeichnet besonders wanderfreundliche Unterkünfte und Gastronomiebetriebe aus und passt damit, so Petra Wegener, Geschäftsführerin des regionalen Tourismusverbands Weserbergland-Tourismus, ideal zum Tourismusgebiet Weserbergland. „Die Schwerpunkte in unserem Bereich sind Radwandern, Wandern und historische Stätten.“ Ein historisches Gebäude liege mit der Schaumburg direkt vor der Tür und mit dem Weserbergland-Weg führt sogar ein Qualitätswanderweg direkt am Haus vorbei. Sie glaubt, dass die Investition in den Schaumburger Ritter und das Tourismus-Konzept gut zusammenpassen.

„Es ist das, was wir brauchen“, sagt sie. Schon deshalb habe ihr Verband für den Fördermittel-Antrag eine positive Stellungnahme abgegeben – was keineswegs selbstverständlich sei. „Wir müssen uns sicher sein, dass es funktionieren kann.“

Besonders erfreulich für die Region: Durch die Erweiterung werden neue Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt wird der Schaumburger Ritter dann 32 Dauerarbeitsplätze anbieten, davon mindestens 15 Ausbildungsplätze – auch das ist eine Auflage für die Fördermittel. Stephan Kehlenbeck geht sogar davon aus, dass 20 neue Arbeitsplätze entstehen werden.

Bereits im Mai soll der Abbruch des Nebengebäudes beginnen, danach geht alles ganz schnell: Schon im Oktober soll die über eine Million Euro teure Baumaßnahme abgeschlossen und die Zimmer bezugsfertig sein.

Investieren in ihre Zukunft: Stephan und Doreen Kehlenbeck mit den Kindern Julian (3) und Antonia (6 Monate). Foto: jaj

Artikel vom 14.01.2012 - 00.00 Uhr
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