Obernkirchen
Wenn es zwickt und zwackt, hilft kein WunschdenkenIm Garten ist erlaubt, was gefällt.. Das ist auch gut so. Fotos: rnk
Obernkirchen (rnk). Wenn das Alter kommt, wenn es zwickt und zwackt, dann gibt es mit Blick auf den Garten genau zwei Möglichkeiten, erklärt Gärtnermeister Gerhard Kirchner: Man kann künftig mit Ärger und Gram sowie einer feindlichen Grundeinstellung gegenüber dem Garten reagieren – oder dort einen sinnvollen und altersgerechten Wandel herbeiführen, so selbst weiter der Schöpfung auf der Spur bleiben und sich beim Werden und Vergehen im Garten als Teil dieser Schöpfungsgeschichte begreifen und betrachten.
Kirchner versieht bei seinem Vortrag im Rahmen der Stadtbücherei-Reihe „Kreativ-Lust“ seine gärtnerischen Betrachtungen gerne mit einem leichten philosophischen Überbau, und er ist damit nicht allein bei seinem Vortrag über den altersgerechten Garten: Er spricht vor einem fachkundigen Publikum, das ähnlich denkt. Wachstum, Vielfalt, Genuss., Kreativität, Beschäftigung und Bewegung, ein Naturerlebnis und purer Genuss: Der Garten bietet für alle etwas.
Und wenn das Alter kommt, wenn die Wege lang werden oder – wie im Juni und Juli – das Wasser geschleppt werden muss und das Gießen als Qual empfunden wird, dann helfen viele technischen Erfindungen der neueren Zeit, erklärt Kirchner: „Wer sich nicht mehr bücken kann, der besorgt sich eine dieser praktischen Greifhilfen.“
Natürlich kann das Beet auch umgestaltet werden, kann mithilfe von Bodendeckern wie dem dicht gepflanzten Storchenschnabel der schattige Bereich des Gartens relativ pflegeleicht „umgebaut“ werden. Auch ein Hochbeet ist immer eine schöne Alternative: Das Bücken entfällt, außerdem strukturiert das Beet oftmals den Garten mit einer vertikalen Komponente.
„Wunschdenken allein hilft nicht“, sagt Kirchner. Aber nachdenken. Am besten schon, wenn der Garten angelegt wird. Manche Stufe, die im Alter zur Barriere wird, ist überflüssig, und manches Beet später im Alter zu weit weg – da wird dann jeder Weg mühselig.
Manchmal reicht es schon, Arbeitstechniken zu verändern oder einfacher zu bedienende Gartengeräte anzuschaffen. Ein neuer Elektromäher könnte doch den alten und schweren Rasenmäher ersetzen. Und die alte schwere Baumschere könnte auch gegen eine neue Astschere mit Gelenk- oder Doppelhebel-Übersetzung ausgetauscht werden. Und weil der Spatenstiel noch nie so richtig zur Körpergröße gepasst hat, ist die Umstellung auf einen neuen, ergonomisch geformten Stiel, den es übrigens auch für Besen, Harken und Hacken gibt, nicht allzu schwer.
Es ist ein recht munteres Gespräch unter Fachleuten, das sich im „Sonnenhof“ gut anderthalb Stunden entwickelt: Um im Bilde zu bleiben: Es geht einmal quer durch den Garten – und anschließend wieder zurück.
Ein paar Praxistipps hat Kirchner auch: Gegen die bei Gärtnern verhasste Löwenzahnverkrautung auf dem sattgrünen Rasen hilft ein höherer Schnitt: Der Kurzschnitt fördert die Wildkräuter und schwächt zugleich den Rasen, weil sich die Gräser nicht mehr gegenseitig beschatten können – eine Erfahrung, die wohl viele Hobbygärtner im glühend heißen Sommer sammeln durften.
Beim Wasserschleppen bieten sich im Alter technische Möglichkeiten an: Perforierte Schläuche, verbunden mit einer automatischen Regelung durch eine Zeitschaltuhr, sorgen zuverlässig für eine Wasserversorgung.
Die pfiffige Anekdote des Abends steuert ein älterer Zuhörer bei: In seinem Garten, da habe er jetzt einen Brunnen gebohrt, damit die Wasserwege nicht mehr so lang seien. Ob er denn dafür eine Genehmigung brauchte, hat er vorher bei den Stadtwerken nachgefragt. Und als Antwort einen Klassiker gehört: Wer viel frage, bekomme auch viele Antworten. Kleine Kunstpause des Erzählers, dann kommt die Pointe: „Da wusste ich, was ich zu tun hatte.“