Obernkirchen
Nur ein Saal zeugt noch vom GerichtObernkirchen (mld). Zurzeit haben noch zwei Polizisten regelmäßig auf dem Polizeikommissariat in Obernkirchen Dienst. Sieht man sich das prächtige Gebäude in der Rathenaustraße 11 aber einmal genauer an, erkennt man schnell seine frühere Nutzung: Hier saß früher einmal das Amtsgericht Obernkirchen, zu dessen Bezirk auch das Auetal zählte.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Justizamt in der Bergstadt zum Amtsgericht erhoben. Es zog in das Gebäude in der Rathenaustraße, das im Jahr 1911 erbaut wurde. Schon im Jahr 1971 war es mit der Gerichtshoheit in Obernkirchen allerdings schon wieder vorbei, als die beiden Gerichtsbezirke Obernkirchen und Bückeburg im Zuge der Gebietsreform 1974 zum heutigen Amtsgericht in Bückeburg zusammengelegt wurden.
„Durch die Gebietsreform hat sich wirklich viel geändert“, sagt Hauptkommissar Rainer Schlie, der im Jahr 1981 nach Obernkirchen kam. Gleich nach dem Auszug des Amtsgerichts zog die Polizeiwache in die Rathenaustraße. Und waren in den achtziger Jahren noch bis zu sieben Beamte hier tätig, sind es heute nur noch zwei, erzählt Schlie.
Dem Gebäude merkt man seine Vergangenheit noch deutlich an: Den Gerichtssaal gibt es noch, inklusive Holzvertäfelung, verzierter Lampen, Beratungszimmer des Richters, in dem er sein Urteil fällte – und zwei Eingängen zum Gerichtssaal: einen für die Zuhörer, die gegenüber dem Richter am anderen Ende des Raumes saßen, und einen für den Angeklagten, der üblicherweise rechts vom Richter sitzt. Auch wenn diese Eingänge direkt nebeneinanderliegen.
Im Erdgeschoss der Polizeiwache gibt es außerdem noch drei Gefängniszellen – die allerdings natürlich längst nicht mehr benutzt werden.
„Früher hatten die Beamten alles unter einem Dach – das Gefängnis und das Gericht“, kommentiert Schlie. Auch wenn es nebenan, direkt an das Gebäude gebaut, noch ein altes Frauengefängnis gibt. Das konnte man zum Beispiel zum Tag des offenen Denkmals besuchen.
Auch wenn in dem alten Gerichtssaal seit rund 40 Jahren kein Recht mehr gesprochen, ungenutzt blieb er trotzdem nicht: Später gab es hier spezielles Training, das sogenannte Systematische Einsatztraining der Schaumburger Polizeiinspektion, was nach Stadthagen verlegt wurde, „als es hieß, dass die Polizei aus dem Gebäude raussollte“, erzählt Schlie. Die Polizei blieb aber, und der Gerichtssaal diente dann der „Dienstabteilung 5“ – der Abteilung für Verkehrsüberwachung.
Heute wird der Gerichtssaal nicht mehr genutzt, und auch die vielen Räume, die sich hinter dem Saal anschließen, stehen leer.
„Das waren wohl die Zimmer für die Akten und die Verwaltung“, vermutet Schlie. Eventuell habe es in der Rathenaustraße auch eine Wachtmeisterei gegeben, sodass Justizwachtmeister für polizeiliche Ordnung am Amtsgericht sorgen konnten.
„Schade, man könnte wirklich viel aus dem Gebäude machen“, bedauert Schlie. Allein die Schiefervertäfelung außen ist sehenswert – „und der oberste Stock würde eine tolle Dachwohnung ergeben“, sagt Schlie augenzwinkernd. „Aber hier müsste sehr viel gemacht werden. Und das würde viel Geld kosten.“
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