Obernkirchen

Krainhagen soll „ungünstiger Standort“ sein
Das Kreisaltenheim in Krainhagen: Die Auslastung liegt nach Angaben des Betreibers bei unter 70 Prozent, der Standort sei „strategisch ungünstig“. Dennoch: Schließungspläne soll es nicht geben. Foto: mld
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Obernkirchen/Krainhagen (mld). Mit seiner Aussage zur Zukunft des Kreisaltenheimes in Krainhagen hatte Kreiskämmerer Jörg Farr bei der jüngsten Versammlung des Obernkirchener SPD-Ortsvereins für ein leises Raunen im Raum gesorgt: Das Heim habe mit unter 80 Prozent eine „geringe Auslastung“. Er schloss daraus, dass „in diesem Raum“ ein öffentlicher Anbieter nicht gebraucht werde.

„Wir verfolgen das Ziel, das Kreisaltenheim in Krainhagen mittelfristig zu schließen“, so Farr. Eine Äußerung des Kämmerers, die schon wie ein Beschluss klingt und die Debatte um die eventuelle Schließung des Krainhäger Heimes wieder anzustoßen scheint.

Von einem Beschluss könne aber nicht die Rede sein, widerspricht Christopher Merseburger, kaufmännischer Geschäftsführer der gemeinnützigen Kreisaltenzentrum Schaumburg GmbH, auf Nachfrage unserer Zeitung: „Es gibt keinen konkreten Schließungsplan für Krainhagen.“ Die gGmbH mit Sitz in Stadthagen betreibt drei Seniorenheime in Stadthagen, Helpsen und Krainhagen.

Fakt ist, dass sich die gGmbH erst einmal nicht auf Krainhagen, sondern auf die beiden anderen Standorte konzentrieren will – 8,5 Millionen Euro sollen in Neubauten beziehungsweise in die Sanierung der beiden Standorte fließen.

Die Prognosen für den Standort Krainhagen sind alles andere als rosig: In „ein bis zwei Jahren“, sagt auch Geschäftsführerin Anette Ebeling, könne es so weit sein, dass die Auslastung des Heimes für den Betrieb nicht mehr reiche. Die Auslastung korrigiert sie nach unten: Bei unter 70 Prozent liege sie.

Was passieren soll, wenn dieser Fall eintritt, wurde in der Geschäftsführung des Kreisaltenzentrums anscheinend auch schon diskutiert: Am Standort am Krankenhaus in Stadthagen könnte ein weiteres Haus gebaut werden, das die Bewohner aus Krainhagen aufnehmen könnte. Ebeling stellt klar: Weder Arbeitsplätze noch Betreuungsplätze seien bedroht. Am Standort Krainhagen arbeiteten derzeit „35 bis 40“ Mitarbeiter, insgesamt beschäftigt die Kreisaltenzentrum Schaumburg gGmbH nach eigenen Angaben 140 Mitarbeiter.

Mit der geringen Auslastung stehe das Kreisaltenzentrum in Krainhagen aber „nicht allein da“, so Ebeling – auch andere Altenheime litten unter dem „geballten Angebot von Pflegeplätzen im Raum Bad Eilsen.“ In Krainhagen gebe es im Umkreis von sieben Kilometern über 1000 Pflegeplätze außerhalb des Kreisaltenheims, veranschaulicht Ebeling – „in Stadthagen sind es nur etwa 250 Plätze.“

Auch kaufmännischer Geschäftsführer Merseburger beurteilt den Standort Krainhagen nicht optimistisch: Das Altenheim liege „strategisch ungünstig“ zwischen Bad Eilsen, Bückeburg und Obernkirchen. Zwar würden in Krainhagen die Bewohner die Nähe zum vorherigen Wohnort wünschen und „traditionell“ werde der Bedarf der Bückeburger auch durch Obernkirchen abgedeckt – jetzt aber hätten die Bückeburger mit der Sanierung des dortigen Altenheims neue Betreuungsplätze geschaffen.

Jörg Farr drückte es bei der Versammlung des SPD-Ortsvereins Obernkirchen so aus: „In Obernkirchen gibt es mit dem Sonnenhof eine gute Einrichtung.“

Für Krainhagen heißt das: Groß investiert wird wohl erst einmal nicht, bauliche Veränderungen gibt es an den Standorten Helpsen und Stadthagen. „Wir werden dort investieren, wo die Nachfrage ist“, sagt Merseburger.

In Stadthagen wird es einen zweiflügeligen Neubau geben, der die jetzigen Gebäudeteile miteinander verbindet und auf zwei Etagen 48 neue Betreuungsplätze schafft. Pro Etage soll es zwölf Zimmer inklusive Nasszelle und Balkon à etwa 20 Quadratmeter geben, Zentrum jedes Flurs, genannt Hausgemeinschaft, soll eine sogenannte Wohnküche sein.

Dasselbe Konzept, die sogenannten „Lebenswelten“, nach dem jeder Senior entsprechend seiner Fähigkeiten selbstbestimmt leben können soll, wird auch in Helpsen umgesetzt: Zuerst soll ein neuer Gebäudeteil mit vier „Hausgemeinschaften“ über zwei Etagen gebaut werden, danach soll der alte Gebäudeteil komplett saniert werden. Kleinere Nebengebäude sollen dann abgerissen werden.

Baubeginn soll in Stadthagen Anfang August sein, in Helpsen ein wenig später, „hoffentlich aber noch im Jahr 2010“, so Merseburger. Die Bauzeit ist auf „eineinhalb bis zwei Jahre“ angelegt.

Also keine Zukunft mehr für das Kreisaltenheim Krainhagen? „Wir wollen nichts totreden, was lebt“, will Merseburger beruhigen – Schließungspläne gebe es nicht und der Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen bestehe weiterhin: „Bewohner werden noch aufgenommen.“
Artikel vom 10.03.2010 - 23.00 Uhr

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