Obernkirchen

„Jung kauft Alt“: Nicht nur Innenstadt soll jünger werden

Obernkirchen (mld). Altbauten stehen leer und verfallen, während Familien und Neubürger in Neubaugebiete außerhalb des Stadtkerns ziehen: Dieser Entwicklung möchte die Stadt Obernkirchen Einhalt gebieten – oder sie zumindest verlangsamen.

Dafür haben die Grünen drei Vorschläge unterbreitet: Die Förderprogramme, die die Stadt für diesen Zweck anbietet, sollen leichter zugänglich gemacht werden; junge Familien, die in Altbauten ziehen möchten, sollen finanzielle Förderung bekommen nach dem Prinzip „Jung kauft Alt“, das zum Beispiel in Hiddenhausen Schule gemacht hat (wir berichteten) und die Stadt soll einen ständigen Ansprechpartner zu diesem Thema bereitstellen.

Der erste und dritte Punkt waren in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt schnell abgehakt: Die Fördermöglichkeiten sollen auf der Internetseite der Stadt aufgelistet werden und Bürgermeister Oliver Schäfer (SPD) erklärte, dass er der richtige Ansprechpartner sei – „das erscheint mir bei dem Thema mehr als angemessen.“

„Wir dürfen den Fokus nicht nur auf die Innenstadt legen“, kommentierte Schäfer den zweiten Punkt – und machte gleich einen anderen Vorschlag, der den Fraktionen als Arbeitsgrundlage für weitere Beratungen dienen soll: Nicht nur die Altbauten in der Innenstadt, sondern auch Bauten aus den fünfziger und sechziger Jahren müssten durch Förderung wieder schmackhaft gemacht werden. Hierzu zählten zum Beispiel Grundstücke an der Beeke, am Jägerweg oder in der Piepenbreite.

„‚Goldene Hochzeitsviertel‘ werden die in Fachkreisen genannt“, wie Schäfer unter Anerkennung der übrigen Ausschussmitglieder erläuterte – deren Bewohner, die als junge Ehepaare gebaut hatten, würden jetzt ihre Goldene Hochzeit feiern können. Zu diesem Zeitpunkt würden solche Immobilien in der Familie weitergegeben – wo aber kein Interesse seitens der jüngeren Generation herrsche oder es keine Angehörigen gebe, entstehe Leerstand.

Konkreter sieht der Vorschlag der Verwaltung so aus: 20 000 Euro soll die Stadt pro Jahr zur Verfügung stellen, um junge Familien, die in Altbauten ziehen wollen, zu fördern. Die Förderung soll acht Jahre lang laufen. Die Grundförderung pro Familie beträgt 500 Euro, pro Kind noch einmal 250 Euro. Höchstens 1250 Euro soll es maximal pro Objekt und Jahr geben.

Doch wer Förderung bekommt und wer nicht, müsse genau definiert sein: „Wer soll als jung gelten?“ Außerdem müssten die Personen das Haus selbst bewohnen, nicht etwa vermieten. Als Altbauten sollten Gebäude älter als Baujahr 1980 gelten.

„Neue Grundstücke für Single-Haushalte auszuweisen kann jedenfalls nicht der richtige Weg sein“, so Schäfer.

SPD-Fraktionsvorsitzender Wilhelm Mevert schlug vor, dass die Stadtsanierung von Land und Bund bezuschusst werden solle: „Das ist ständige Aufgabe der Stadt.“ Besondere Förderung könne es außerdem für die Teilerneuerung – angelehnt an die Dorferneuerung – ehemaliger selbstständiger Gemeinden geben. Das könne auch für Obernkirchen infrage kommen.

Andere Ausschussmitglieder gaben sich skeptisch: „Den Fördermöglichkeiten von Bund und Land traue ich nicht mehr“, so Heinrich Struckmeier (CDU). Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise seien die Fördermittel in diesem Jahr stark zusammengestrichen worden – „um eine Milliarde Euro“ allein in Niedersachsen, wusste Karl-Heinz Struckmeier (SPD). Stattdessen solle Obernkirchen Kredite aufnehmen und die Förderung „selbst in die Hand nehmen“, so Heinrich Struckmeier.

Thomas Stübke (Grüne) sprach sich für eine Konzentration auf die Innenstadt aus: Zuerst müsse man sich um die Innenstadt kümmern, hier müsse Leerstand vermieden und eine „bessere Durchmischung“ der Hauseigentümer oder -mieter erreicht werden. Für die „Goldenen Hochzeitsviertel“ solle eine kleinere Förderung bereitstehen.

Der Vorschlag Schäfers wurde einstimmig begrüßt. Jenseits der Altbauten in der Innenstadt soll auch die Förderung für Altbauten in anderen Wohngebieten überprüft werden.

Nicht nur die Innenstadt, auch Immobilien aus den fünfziger Jahren sollen wieder von Jüngeren bewohnt werden – wie hier in der Piepenbreite.

Foto: mld

Artikel vom 04.03.2010 - 23.00 Uhr
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