Obernkirchen

Hat der „Harzer Roller“ noch Chancen?

Obernkirchen/Röhrkasten (sig). Sie sind meistens recht scheu, aber reizvoll farbig gefiedert und lassen von Zeit zu Zeit ihre Stimme erschallen. In der freien Natur bekommt man diese Bewohner der Lüfte in der Häufung und Zusammensetzung nie zu sehen, aber bei der Schaumburger Vogelbörse in der Liethhalle. Dort sind jetzt rund 500 Vögel der verschiedensten Arten ausgestellt worden – die beliebtesten sind natürlich noch Wellensittiche, Kanarienvögel und Zebrafinken.

Ausgerichtet wurde diese Veranstaltung von einer kleinen, aber verschworenen Gemeinschaft, die sich „Vogelfreunde Röhrkasten“ nennt und die mit Martin Dreveskracht einen ausgesprochen rührigen Vorsitzenden besitzt.

Er ist schon seit ewigen Zeiten ein Liebhaber und Fachmann der kleinen gefiederten Sänger. Vögel würden als Haustiere gehalten, so lange es Menschen gibt, sagte er auf Nachfrage.

Ganz anders ist Pensionär Kurt Hirschberger zur Vogel-Liebhaberei gekommen: Ihm ist eine Diamanttaube zugeflogen. Sie hat Punkte auf dem Gefieder, die wie Edelsteine aussehen. Deshalb trägt die Rasse diesen Namen. „Die saß bei mir auf dem Zaun, war wohl ermattet und ließ sich problemlos auf die Hand nehmen“, berichtete der Besucher dem Vorsitzenden Martin Dreveskracht. Er habe den neuen Hausgast gut gepflegt, und jetzt sei er wieder quicklebendig. Damit es dem Täuberich nicht so langweilig wird, suchte er für ihn bei der Börse eine Partnerin. Das gelang, sodass Kurt Hirschberger erfreut von dannen ziehen konnte.

Es gab in der Liethhalle auch zahlreiche Familien mit Kindern, die mal einen Blick in die Vogelkäfige werfen sollten, denn Hunde und Katzen bekommen die Kleinen eher zu Gesicht als die teilweise recht exotischen Sänger.

Martin Meisolle aus Minden wurde zu einem echten Vogelfreund, nachdem er bereits als Zehnjähriger Brieftauben geschenkt bekommen hatte. Die hielt er allerdings nicht als Reisetauben, die große Strecken zurücklegen können, um wieder den heimischen Schlag zu erreichen.

„Schon meine Vorfahren züchteten Hühner und Tauben, besaßen Ziegen und Schweine“, so Meisolle. Er halte sich außerdem Fasane und Zwerghühner.

Sein Bestand an Vögeln habe sich deutlich vermehrt: Derzeit besitzt er nach eigenen Angaben 120 Exemplare verschiedener Arten, darunter auch einen sogenannten Schmucksittich. Über seine Nachfolge macht sich der Mindener schon jetzt Gedanken: „Mein Sohn ist ein Biker, aber vielleicht kann ich ja meine Enkeltochter für mein Hobby begeistern.“

Martin Dreveskracht macht sich Sorgen um bestimmte Rassen. So sterbe der „Harzer Roller“ wohl aus, weil es kaum Züchternachwuchs gibt, der sich dieses Singvogels annimmt. Der aus dem Harz stammende Vogel hat eine rollende Singstimme und soll unter den Kanarienvögeln der beste Sänger sein.

Zu den zierlichsten gefiederten Familienmitgliedern zählen die Zebrafinken, die hier eine Besucherin in Augenschein nimmt.

Foto: sig

Artikel vom 09.03.2010 - 23.00 Uhr
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