Obernkirchen

Der Mittelfeld-Regisseur kämpft sich heran

Alles geben für das große Ziel: Für Massimilian Porcello soll der Weg über die Reha zurück in die Mannschaft führen. Foto: pr

Von Frank Westermann

Obernkirchen. Am schlimmsten war das Zuschauen; das Wissen, dass die Mannschaft ihn gut gebrauchen könnte: einen Mittelfeldregisseur, der kämpfen kann und torgefährlich ist; einen Dirigenten im Mittelfeld, der im Kampf gegen den Abstieg den Taktstock schwingt und Punkte einfährt.

Doch er hat nicht eingreifen können im letzten Frühjahr, denn Massimilian Porcello hatte sich schon im Januar bei einem Freundschaftsspiel in der Türkei gegen eine ukrainische Mannschaft böse verletzt. Im Zweikampf zog er sich eine Knochenentzündung im Knie zu, die operativ behandelt werden musste. Der Mittelfeldmann mit der Nummer zehn fehlte, und der Karlsruher Sport-Club stieg in die zweite Liga ab.

Porcellos Knie war vorgeschädigt: Schon 2001 war er durch einen Abriss des unteren Kreuzbandes ein halbes Jahr außer Gefecht, jetzt folgten zwei operative Eingriffe im Mai und Dezember, um dem Knie die verschwundene Stabilität zurückzugeben. „Es war eine schwierige Situation“, meint der 29-jährige Obernkirchner.

Denn der Heilungsprozess lief nicht wie gewünscht. Im Dezember wurde der Knochen angebohrt, um ein Ödem im Kniegelenk zu beseitigen. Der Karlsruher Mannschaftsarzt Marcus Schweizer und der eigens konsultierte Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt von Bayern München hatten sich dafür ausgesprochen. Es war die richtige Entscheidung: Vor gut drei Wochen war Porcello zur Nachuntersuchung in München: Das Knie ist okay, der gebürtige Obernkirchener kann aufatmen.

Jetzt heilt die Verletzung aus, „das ist das Wichtigste“, nun muss er sich wieder an die Mannschaft herankämpfen. Das ist nicht einfach, wie Porcello aus seiner Zeit in Bielefeld weiß, denn auch beim Karlsruher Sport-Club erfolgte nach dem Abstieg aus der höchsten Spielklasse der Umbruch. Zahlreiche Spieler verließen den Verein, und aufgrund der weiterhin begrenzten Mittel startete der KSC mit schmalem Budget und kleinem Kader in die Saison 2009/10.

Außerdem wurde im September Markus Schupp als neuer Trainer verpflichtet. Der Kontakt zum Trainer sei gut, sagt Porcello: „Markus Schupp wollte jeden kennenlernen, auch die verletzten Spieler.“ In der langen Zeit der Reha habe man wöchentlich miteinander telefoniert, heute spreche man drei, vier Mal die Woche miteinander.

Es ist ein weiter Weg bis zur Rückkehr ins Mittelfeld, das weiß auch Porcello. Heute ist er froh, wenn er trainieren kann, so gut wie es eben möglich ist. Ins Mannschaftstraining kann er noch nicht einsteigen, „da ist knallharter Konkurrenzkampf, der nur völlig gesund aufgenommen werden kann“, erklärt er. Aber er ist zuversichtlich: „Ich bin ein sehr disziplinierter Spieler und weiß genau, was mein Körper braucht.“ Natürlich hat er sich gewünscht, noch in der Rückrunde wieder aufzulaufen zu können, aber das hat nicht geklappt. Aber die Mannschaft hat auch ohne ihn den freien Fall abgebremst, der Klassenerhalt ist im Badischen in diesem Jahr kein Thema mehr.

Uli Gerke, Sportredakteur beim „Kicker“, kann sich noch gut an die Zeiten erinnern, als der KSC mit eben dieser Mischung aus Alt und Jung, aus ambitionierten und erfahrenen Spielern durch die 2. Liga stürmte, aufstieg und an den europäischen Plätzen schnupperte: „Damals war Porcello sehr wertvoll und teilweise überragend, ein echter Leistungsträger.“ Natürlich gönnt Gerke Porcello ein sportliches Comeback, aber: „Das ist nach 14 Monaten Pause aber ein schwieriges Unterfangen.“

Für die neue Saison sind die Ziele klar definiert: Spielen – und Wiederaufstieg, denn in der 2. Liga, sagt Porcello, „da spielst du entweder oben oder unten.“ Und den Unterschied macht nicht der einzelne Spieler, sondern das Team: „Hier entscheiden Kleinigkeiten. Und gewinnen kannst du heutzutage nur als Mannschaft.“

Aber erst einmal muss der Einstieg in den Fußball gelingen, muss sich Porcello, den alle nur Massi rufen, an die Mannschaft heranarbeiten. Nach der Weltmeisterschaft beginnt die neue Saison, die mit dem Aufstieg enden soll. Und damit kennt er sich aus, mit dem Aufstieg. 2002 und 2004 mit Arminia Bielefeld, 2007 mit dem Karlsruher SC schaffte er den Sprung in die erste Bundesliga. Wenn der KSC in der nächsten Saison wieder angreift, dann will er dabei sein, will im Mittelfeld die Fäden ziehen – und nicht zuschauen.

Artikel vom 05.05.2010 - 00.00 Uhr
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