Nienstädt / Seeprovinz
Architekt nimmt viele Fragen mit nach HauseHagenburg (jpw). Soll die historische Struktur der Bebauung an der Langen Straße erhalten bleiben, oder sollen die Grundstückseigentümer größtmögliche Freiheiten bei der Gestaltung bekommen? Auf der Suche nach dem „goldenen Mittelweg“ hat der Bauausschuss der Gemeinde Hagenburg die vorgesehene Aufstellung eines Bebauungsplanes vertagt.
„Gut Ding will Weile haben.“ So aufmunternd die Worte vom hannoverschen Architekten Harald Meyer (Planungsbüro Stadtlandschaft) zu Beginn der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses klangen, so resigniert hörten sich seine Formulierung nach anderthalb Stunden an: „Sonst sitzen wir in fünf Jahren noch hier.“
Was der erfahrene Städteplaner damit meinte, waren einige neue und doch auch wieder die immer gleichen Fragen, die er nach der vierten vorbereitenden Sitzung innerhalb eines Jahres als Hausaufgabe mitbekam.
Im Ergebnis bedeutete das, dass die Mitglieder des Bauausschusses die eigentlich geplante Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 33 „Lange Straße“ einschließlich einer örtlichen Bauvorschrift vertagt haben.
„Wir müssen das noch einmal in die Fraktionen geben“, bekannte der Ausschussvorsitzende Josef Vorderwülbecke (CDU). Meyer soll rechtzeitig vor der nächsten Ausschusssitzung auch seine Antworten auf die neuen Fragen nach Hagenburg übermitteln.
Dabei hatte es nach seinem anschaulichen Vortrag zunächst so ausgesehen, als ob die letzten noch offenen Fragen nach Baugrenzen und Fassadenmaterialien hätten geklärt werden können.
Der Städteplaner hatte eigens ein Modell anfertigen lassen, um die Wirkung unterschiedlicher Hausabstände von der Straße zu vermitteln. Er schlug zwei Baugrenzen vor, eine entlang der jetzigen Häuserflucht und eine im Abstand von fünf Metern in das Grundstück hinein.
Meyer sorgte damit schließlich selber für Verwirrung, so vermuteten Einwohner, weil mit der hinteren Begrenzung eine Baulinie gemeint sein müsse.
Wie dieser Widerspruch gelöst werden kann, und ob es eine Möglichkeit geben soll, zu verhindern, dass ein Eigentümer hinten in das Grundstück baut und das Gebäude vorne später abreißt, soll Meyer nun auf Wunsch des Gremiums herausfinden.
Horst Häußler (WGH) meldete mit Blick auf die Altersstruktur der Bewohner Bedenken gegen die Fixierung eines aus seiner Sicht großzügigen Grünbereiches im rückwärtigen Teil der Grundstücke an; Bürgermeister Karl-Wilhelm Möller (CDU) hofft, auch eine Aussage über eine künftige Umgehungsstraße in dem Plan unterbringen zu können.
Peter Rakelbusch (CDU) möchte vom Planer auch zum jetzigen Zeitpunkt konkrete Aussagen über Schallschutz entlang der B 441: „Schließlich wollen wir Wohnraum schaffen und keine Nebenräume.“
Albert von Schonebeck (SPD) machte schließlich einen „klassischen Nutzungskonflikt“ zwischen dem Wunsch nach dem Erhalt der Baustrukturen und „möglichst großer Freiheit für den einzelnen Grundstücksbewohner“ aus. Dazu wollen die Ausschussmitglieder nun in der nächsten Sitzung den „goldenen Mittelweg“ (Vorderwülbecke) finden.