Landkreis

„Schaumburg wird sterben ohne Faurecia“

Eine Mischung aus Enttäuschung und Grimm: Faurecia-Mitarbeiter gestern MIttag vor dem Werkstor. Foto: rg

Stadthagen (bes, aw). Schichtwechsel bei Faurecia gestern Mittag: Vor dem Werkstor stehen einige Männer in blauen Arbeitshosen und warten auf den Arbeitsbeginn. Leise wechseln sie Worte, zu hören sind Begriffe wie „unfassbar“, „schlimm“ und „Schweinerei“. Viele der Faurecia-Mitarbeiter machen ihrer Enttäuschung und der Wut über die neue Entlassungswelle schließlich Luft.

„Wir fühlen uns von der Geschäftsleitung übergangen“, schimpft einer der Männer. „Der Schritt wurde seit Jahren vorbereitet, vorgestern hat es uns dann erwischt.“ Dabei seien nicht nur die Mitarbeiter betroffen, die neuerliche Stellenstreichung treffe den gesamten Landkreis.

„Die Hoffnung ist völlig weg“, ergänzt einer seiner Kollegen. Nach der Reduzierung der Belegschaft sei das Werk in Stadthagen wohl nicht mehr zu halten, mutmaßt er. Dabei versetzt ihn und seine Kollegen besonders in Wut, dass es Anzeichen für die Entlassungen gab: „Wir haben in der Ferienzeit voll durchgearbeitet und für bis zu sechs Wochen Lagerbestände aufgebaut.“ Das Management wolle sich wohl dagegen absichern, wenn hier gestreikt werden sollte.

Ein weiterer Punkt, der für Unmut sorgt, ist der Zeitpunkt, wann die Kündigungen ausgesprochen werden. „Bis Ende Dezember läuft der Sozialplan. Anfang 2011 sollen die Jobs abgebaut werden“, erzählt einer der Männer. Der Verdacht liege nahe, dass die Geschäftsleitung die Kündigungen für das Unternehmen so günstig wie möglich machen wolle.

Vor dem Haupttor haben sich etliche Mitarbeiter versammelt. Auch hier ist die Stimmung schlecht. „Wir haben sowieso nur 300 Leute“, sagt einer der Arbeiter. „Das ist fast zwei Drittel, was wegfallen soll. Die machen, was sie wollen.“ Der Frust, auch über die Politik ist bei allen unüberhörbar. „Normalerweise müsste die Regierung dagegen vorgehen“, sagt ein Mitarbeiter. Ein anderer regt sich über die vorangegangenen Ankündigungen auf. „Es wird immer alles versprochen, und nach einem halben Jahr ist das hinfällig.“

Eine „eiskalte Sauerei“ sei die Ankündigung, sagt ein Betroffener, alles sei „so Knall auf Fall“ gekommen. „Das ist ein eindeutiger Fehler von den Leuten in den oberen Etagen. Das kann man nicht einfach auf die Belegschaft abwälzen. Der Fehler ist nicht bei uns zu suchen.“

Einige der Faurecia-Mitarbeiter kritisieren in diesem Zusammenhang auch die Wirtschaftspolitik. „Wie kann es im EU-Bereich sein, dass wir unterschiedliche Löhne haben?“ fragt einer der Männer und beklagt die fehlende Wertschätzung für die Arbeit. „Man ist einfach nur noch eine Nummer hier.“

Jürgen Bittner, Chef der Vertrauensleute bei Faurecia, fordert die Mitarbeiter auf, sich an der Demonstration am kommenden Freitag zu beteiligen. „Wir streiten für Arbeitsplätze und einen vernünftigen, guten, fairen Sozialplan.“ Für die Zukunft sehen viele jedoch schwarz. Einer der Mitarbeiter stellt resigniert fest: „Schaumburg wird sterben ohne Faurecia.“

Artikel vom 02.09.2010 - 00.00 Uhr
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