Hessisch Oldendorf

Seuche – Tausende kranker Forellen getötet

Mitarbeiter des Landkreises fischen die Teiche leer – die Fische werden getötet und entsorgt. Foto: Dana

Hemeringen (pj). Tausende Forellen mussten gestern gekeult werden. Die Fischseuche IHN war im Januar im Bestand festgestellt worden. Da sich der Betreiber seit Juni nicht mehr um die Bewirtschaftung der Fischzuchtanlage gekümmert hat, drohte die Fischseuche sich auch in andere Gewässer auszubreiten. Um dies zu verhindern, musste der Fachdienst Ordnung und Veterinärwesen des Landkreises jetzt eingreifen und die Fische töten und entsorgen.

Bereits Anfang Februar habe der Pächter erklärt, dass er sich nicht mehr um die Fische kümmern werde, da er das Pachtverhältnis rückwirkend aufgelöst habe, erklärt Anja Hegener, die Pressesprecherin des Kreises. Daraufhin sei der Pächter aus Gründen des Tierschutzes mit einer Verfügung aufgefordert, die Versorgung der Tiere weiterhin sicherzustellen. Dieser Aufforderung sei er zunächst nachgekommen, im Juni habe er jedoch erklärt, dass er den Betrieb nicht mehr betreten werde. Der ohnehin schlechte Zustand der Fische hatte sich in den Monaten davor weiter verschlechtert, junge Forellen drohten gar zu verhungern. „Da haben wir vom Landkreis jemanden beauftragt, die Fische zu füttern“, erklärt Dr. Christina Steinberg, die in Hemeringen gestern die Keulung überwachte.

Da die Anlage nicht gepflegt worden war, bestand die Gefahr, dass Dämme brechen und die Teiche leerlaufen. In einigen Teichen war der Wasserspiegel bereits stark abgesackt. Es bestand daher akute Gefahr, dass die Fische entweder qualvoll verenden oder in den Hemeringer Bach gespült werden.

Eigentlich hatte der Pächter in einem gerichtlichen Vergleich die Verpflichtung übernommen, die Teiche bis Mitte August zu leeren. Das ist jedoch nicht geschehen. Um den Betrieb seuchenfrei zu bekommen, müssen alle Fische aus den Teichen gefangen werden, damit anschließend gründlich gereinigt und desinfiziert werden kann. Die tierschutzrechtlich wünschenswerte Lösung, dass lebende Tiere in andere Bestände umgesetzt werden, ist durch das Tierseuchenrecht ausgeschlossen, erklären die Veterinäre. „Ein zulässiger Verkauf der Forellen als Schlachtfische war dem Pächter nicht gelungen“, sagt Dr. Christina Steinberg. Die Keulung war daher aus seuchenrechtlichen Gründen unumgänglich.

Als im Januar der Ausbruch der anzeigepflichtigen Fischseuche IHN festgestellt worden war, hatte der Kreis eine Betriebssperre verhängt. „Die Abgabe lebender Fische aus dem Betrieb und das Einsetzen neuer Fische in den Betrieb waren untersagt worden“, erklärt Kreistierärztin Dr. Christina Steinberg. „Der Erreger der Infektiösen Hämatopoetischen Nekrose (IHN) ist ein Virus und nahe verwandt mit dem Forellenvirus“, erklärt Dr. Dirk Willem Kleingeld vom Landesamt für Verbraucherschutz, der gestern auch in Hemeringen war. Kleingeld führt weiter aus, dass „die Krankheit häufig stumm verläuft“. Erst in Stresssituationen wie etwa beim Transport oder bei Belastung durch schlechte Wasserqualität kann es zum Ausbruch der Krankheit kommen. Bei erkrankten Fischen seien im ganzen Körper Blutungen festzustellen. „Sie sind außerdem an der dunklen Färbung erkennbar und haben manchmal Glotzaugen“, erklärt der Fachmann. Die Übertragung des relativ unempfindlichen Virus erfolge sowohl durch den Kontakt mit erkrankten Fischen und über ungenügend desinfizierte Fischereigeräte. Anfällig sind die Fische für den Virus, der vor einiger Zeit aus Amerika eingeschleppt wurde, in der Laichzeit.

Für Otto-Karl Thiel ist es eine schlimme Situation – der 86-jährige Eigentümer der Hemeringer Fischteiche musste gestern mit ansehen, wie der gesamte Fischbestand getötet wurde. Wie sein Schwiegersohn, Hans Duttmann, erklärt, hatte Thiel die seit 1897 bestehende Teichanlage vor Jahrzehnten erworben und im Dezember neu verpachtet. Von 1954 bis 1990 hatte Otto-Karl Thiel die Teiche selbst bewirtschaftet. Ungeklärt sei die Frage, wer für den Schaden aufkommt. Und genau da setzt die Kritik der Fischereivereine ein. Wie Wilhelm Wehrhahn, der Sprecher des Hamelner Fischereivereins, betont, sei die Einrichtung einer Seuchenkasse längst überfällig. „Eine Fischseuchenkasse muss her“, fordert Wehrhahn.

Artikel vom 24.08.2010 - 19.00 Uhr
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