Hessisch Oldendorf

Rumpelstil vertreibt die dicken Regenwolken

Hessisch Oldendorf (ah). Phil Spallek strahlt. Mit einer selbst gebastelten Taschenlampe hat der Vierjährige beim Wettbewerb des Culturvereins einen Auftritt beim Konzert des Berliner Musiktheaters Rumpelstil gewonnen. Nun darf er mit den anderen Gewinnern neben Blanche Elliz, Jörn Brumme, Max Vonthien und Peter Schenderlein auf der Bühne stehen. Für den Jungen aus Raden im Auetal geht ein großer Wunsch in Erfüllung, denn er liebt die Lieder von Rumpelstil. Als er 2009 mit seiner Familie beim zweiten Weserbergländer Taschenlampenkonzert auf dem Hessisch Oldendorfer Kirchplatz war, konnte er sich der mitreißenden Musik nicht entziehen. „Wir sind gleich voll eingestiegen, haben Rumpelstil-CDs gekauft, die täglich bei uns zu Hause oder im Auto laufen“, erzählt Phils Mutter Natalie Spallek und verrät: „Ich selbst höre die Lieder mittlerweile sogar beim Bügeln.“ „Blanche“ und „Mambuso“ heißen die Katzen im Hause Spallek.

Zum dritten Taschenlampenkonzert erscheinen Phil und sein Bruder Nick in hellblauen Rumpelstil-T-Shirts, Regenhose und Gummistiefeln. Wie alle 500 Besucher sind sie glücklich, dass das Konzert nicht ins Wasser gefallen ist. Viele haben zuvor telefonisch nachgefragt, auch eine Familie aus Osnabrück, die am Freitagabend ebenso begeistert mitgeht wie die Familie aus Stadthagen, die vorab sagte: „Wir sind dabei, wenn wir es schaffen, aus der überschwemmten Stadt herauszukommen.“ Ronja-Maria und Anna-Malin aus Höxter haben Rumpelstil erstmals im Urlaub in Zingst gehört und „bei den Preisen“ (vier Euro für Kinder, sechs Euro für Erwachsene) sofort beschlossen, sich mit ihrer Mutter auf den Weg in die Baxmannstadt zu machen. Eine eigens aus Brandenburg angereiste Familie stellt ein Banner auf: „Mittenwalde grüßt Hessisch Oldendorf“ – das sind wahre Fans!

Kinder wie Erwachsene werden nicht enttäuscht: Von den ersten Takten an ziehen die vier Musiker von Rumpelstil alle in ihren Bann, solidarisieren sich mit ihnen bei „Man ist so groß, wie man sich fühlt“, zaubern die fetzige „Wetterhexe“ und den nicht minder groovigen „Schleimer“ auf den Kirchplatz. Jazz, Soul, Walzer, Balladen, Hip-Hop, lateinamerikanische oder afrikanische Rhythmen, textstarke Lieder wie „Die Wahrheit“ und tierisch witzige Beiträge wie das „Badewannen“-Lied oder die „Giraffenhochzeit“, die Mischung kommt beim Publikum an. Gänsehaut erzeugt Sängerin und Akkordeonspielerin Blanche Elliz, als sie bei „Ich denke wow“ ihre Wahnsinnsröhre ausfährt, jazzig stimmt sie ein Lied in ihrer Muttersprache Holländisch an. Herzklopfen vor lauter Wiedersehensfreude bekommen viele, als Mambuso, das Riesenkuscheltier, die Bühne betritt und mit Blanche zu flotter Keyboardbegleitung von Peter Schenderlein die Hüften schwingt.

Immer wieder bezieht Rumpelstil Jung und Alt ins Programm mit ein, lässt alle mitsingen, mitklatschen, Taschenlampenchecks vornehmen. Grandios inszeniert sind die mit dem Mund erzeugten rhythmischen Klänge in Hip-Hop-Manier, zu denen Max Vonthien die Taschenlampen des Publikums im Takt eines Lastwagen- oder Dreirad-Scheinwerfers schwenken lässt und damit den Kirchplatz in leuchtende Schwingungen versetzt. Musikpädagogisch gekonnt leitet der Schlagzeuger alias „Kai von der Polizei“ auch einen vierstimmigen Klatschrhythmus an, bei dem das Publikum großes Taktgefühl zeigt. Freudenschreie erklingen, als „Wir lieben die Gefahr“ ertönt, viele singen vom ersten bis zum letzten Ton lauthals mit, immer mehr Kinder rücken jetzt dicht an den Bühnenrand. Das Einzigartige des Abends machen vor allem die ruhigen, fast andächtigen Momente aus. So als das „engelsgleiche Taschenlampenlied“ erklingt und alle ihre Wünsche in den Himmel schreiben. Aber auch als das wunderschöne „Mond“-Lied mit Querflötenbegleitung von Gitarrist und Saxofonist Jörn Brumme oder „Max in Mexiko“ ertönt. „Das Konzert, die Stimmung, das war einfach klasse.“ Damit spricht Alexandra Wilson aus der Kernstadt am Ende vielen aus dem Herzen.

Peter Schenderlein, Max Vonthien, Jörn Brumme und Blanche Elliz, die anmerkt: „Wir werden auch ein viertes Mal auf dem Hessisch Oldendorfer Kirchplatz spielen“, geben zum Abschied geduldig Autogramme. Währenddessen sind die Techniker schon am Abbauen. 90 000 Watt Beleuchtung und zweimal 4 600 Watt Beschallung müssen eingeladen werden. Am Vorabend sind sie noch in Zingst gewesen, haben nach einer kurzen Nacht sechs Stunden in Hessisch Oldendorf aufgebaut. Alles läuft Hand in Hand unter der Regie des Technischen Leiters Roland Pinz, der seit 18 Jahren mit Rumpelstil zusammenarbeitet. „Morgen Abend sind wir in Bonn“, sagt er wohl wissend, dass der neue Tag bereits angebrochen sein wird, bevor alles verstaut ist.

Eine Bildergalerie finden Sie dazu im Internet unter www.dewezet.de

Artikel vom 29.08.2010 - 19.00 Uhr
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