Hessisch Oldendorf

Mit dem eigenen Wein hat es nicht geklappt

Michael Steding (v. li), Heinz Hartmann und Horst Beins sitzen in der Weinlaube, trinken edle Tropfen und naschen an den Trauben. Foto: ah

Welsede (ah). „Die Kultur des Weines ist diejenige, wo die Menschen sich kennenlernen wollen, statt sich zu bekämpfen“, steht am Haus des Weines in Bordeaux geschrieben. Den geselligen Aspekt des Weines wissen auch die Weinfreunde Welsede zu schätzen. „Schließlich trinkt man Wein in gemütlicher Runde mit guten Freunden“, erklärt Gründungsmitglied Heinz Hartmann.

Vor 25 Jahren hat Dietrich Plutte mehrere Welseder samt Ehefrauen zu einer Weinprobe in der Pfalz eingeladen. Im Hause des Winzers findet die Gruppe Betten für die Nacht, erfährt Wissenswertes über Weinsorten, Geschmack und Zusammensetzungen. Bei ihrer ersten Weinprobe seien Ruländer und lieblicher Gewürztraminer in einem Ein-Liter-Schoppen-Glas verkostet worden, erinnern sich Heinz Hartmann und Horst Beins. „Heute geht der Trend zu trockenen, fruchtigen und duftenden Weinen, trinken wir auch gerne Pfälzer Riesling“, erklärt Michael Steding, der Jahre später zu den Weinfreunden dazustößt.

Nur handverlesene Trauben werden beim Winzer ihres Vertrauens in der Pfalz verwendet, er setze auf Klasse statt auf Masse, betonen die Welseder und schwärmen: „Was bei richtig guten Weinen an Geschmack freigesetzt wird, ist unbeschreiblich.“ Von ihren regelmäßigen Fahrten in die Pfalz bringen sie ein Weinkontingent mit, das sie in alten Kellern lagern. Nahezu alle 16 Mitglieder der Interessengemeinschaft haben selbst Weintrauben im Garten, aber der Versuch, Wein aus mehreren 100 Kilo eigener Trauben herzustellen, klappt nicht so recht. „Sonne, Boden und Klima sind einfach nicht so ideal“, meint Heinz Hartmann.

Alle zwei Jahre nehmen die Weinfreunde ihre Frauen und Kinder mit auf die Reise in die Pfalz. „Da können wir Trauben naschen, Kastanien sammeln, spielen“, zählt Michael Stedings Sohn Ferdinand auf. „Wir besuchen zudem Weinfeste und machen Weinproben bei befreundeten Winzern“, ergänzt sein Vater.

Ihr erstes Weinfest beschließen die Weinfreunde, die auch für andere Weinanbaugebiete offen sind, in fröhlicher Weinlaune im Rahmen einer Hochzeit. Selbstbewusst erklären die Welseder: „Die einen haben die Weser vor der Tür, andere eine Kirche, wir haben eben den Wein und die Feste.“ Diese sind immer gut besucht – von Einheimischen wie Auswärtigen. „Daraus sind sogar Ehen hervorgegangen“, wird verraten. Von dem Spendenüberschuss aus den Festen sorgte die Gruppe am Welseder Ortseingang für die Anlage eines Kieswegs, die Errichtung einer Sitzgarnitur und des schönen Weintores. Anfangs wachsen zwei weiße und zwei rote Traubensorten an der Pergola hoch, nach mutwilliger Zerstörung der roten Reben werden nur noch weiße Ortega- und Gewürztraminer-Reben angebaut. „Oft sehen wir (Rad-)Wanderer am Weintor Rast machen und Trauben naschen“, berichten die Weinfreunde, die auch die Grünpflege der Fläche bis zum Ortseingang sicherstellen. Zum siebten Mal laden sie am morgigen Samstag ab 18 Uhr zum „weinseligen Abend“ mit Pfälzer Weinen, Jahrgang 2008/09, sieben Weiß- und vier Rotweinsorten, und dazu passenden Köstlichkeiten in das ehemalige Gasthaus „Lindenkrug“ ein. „Dort wird auch unsere neue Weinkönigin gekürt mit Schärpe, Krone und großem Römer“, so die Weinfreunde Welsede.

Artikel vom 02.09.2010 - 19.00 Uhr
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