Hessisch Oldendorf
Früher blieben die Schützen beim Feiern unter sichRohden (ah). „Wir sind keine Schlumpschützen“, sagt Elfriede Koch mit Blick auf die vergangenen 40 Jahre, will heißen: „Wir sind gut, landen bei Wettbewerben immer unter den ersten Dreien.“ In Schützin Bianca Glinke steht ein Nachwuchstalent für die Damenriege in den Startlöchern.
„Der Schießsport ist schon lange keine Männerdomäne mehr“, erklärt Klaus Römmer, Vorsitzender des Schützenvereins Rohden. „In unserem Verein wurde das nicht zuletzt vor 40 Jahren durch den Willen unserer Damen erreicht“, fügt er hinzu. 14 Jahre später sind Frauen bei den Olympischen Spielen in Los Angeles in dieser Sportart erstmals gleichberechtigt dabei.
In Rohden löst 1970 ein Zeltfest den Startschuss aus: Das ganze Dorf ist auf den Beinen, die Männer des Schützenvereins von 1880 in ihren Uniformen. Beim Katerfrühstück am nächsten Morgen bleiben die Männer traditionell unter sich, und das passt einigen ihrer Partnerinnen nicht. „Wir wollten auch in Uniformen am kompletten Festprogramm teilnehmen“, erinnert sich Elfriede Koch, Ehefrau des Ehrenvorsitzenden Friedel Koch. Die Frauen beraten sich und beschließen, eine eigene Damenriege des Schützenvereins ins Leben zu rufen. Beim traditionellen Herbstessen unterbreiten sie dem Vorsitzenden Horst Bless ihren Plan und können ihn und alle Anwesenden von der Gründung überzeugen. 22 Frauen zwischen 20 bis 45 Jahren unterschreiben die Gründungsurkunde. Es ist nicht nur das Schießen, das die Frauen so begeistert: „Vor 40 Jahren gab es in einem kleinen Ort wie Rohden kaum ein Angebot für Frauen, der Schießabend war unser freier Abend, an dem wir nach dem Training noch in die Vereinskneipe von Leni Brandes gingen oder nach Segelhorst zum Hähnchen-Essen radelten“, erzählt Elfriede Koch. Hannelore Hanschke, die seit 25 Jahren zur Damenriege gehört, bestätigt das klasse Klima: „1983 zog ich mit meiner Familie nach Rohden, kannte dort niemanden“, erzählt sie. Eine Schützin nimmt sie 1985 zu einem Schießabend mit, der ihr super gefällt. Hannelore Hanschke tritt der Riege bei, in der die Frauen in Feierlaune ihre Männer mit zu Schützenfesten ziehen, aber auch ihren Mann stehen, als die Schützen 1983/4 ihr Vereinsheim bauen.
22 Jahre lang kümmert sich Elfriede Koch als Schriftführerin um die Protokollbücher, deren Lektüre die amtierende Damenleiterin Petra Römmer „besser als jeden Film im Fernsehen“ findet. „Das Schießen ist eine super Konzentrationsübung, die einen zur Ruhe bringt“, erklärt Petra Römmer, die auf der Suche nach Frauen zwischen 40 und 50 Jahren für die Riege ist. Heute sind 44 der 110 Mitglieder des Schützenvereins Frauen, darunter noch zwölf Gründungsmitglieder, die am morgigen Sonntag um 11 Uhr bei der Feier des 40-Jährigen ausgezeichnet werden.