Hessisch Oldendorf

Freispruch im Prozess um Bankraub

Hessisch Oldendorf/Bielefeld (nim). Die Kammer hatte sich Zeit genommen, zweimal wurde die Beratungszeit verlängert. Dann kam das überraschende Urteil: Das Bielefelder Landgericht sprach den 28-jährigen Geldtransportfahrer des Sicherheitsunternehmens Prodiac von dem Vorwurf frei, im vergangenen Dezember an dem Überfall auf die Hessisch Oldendorfer Filiale der Sparkassen Weserbergland beteiligt gewesen zu sein.

Am 2. Dezember vergangenen Jahres waren zwei schwarz gekleidete Männer durch eine geheime Sicherheitsschleuse in den Tresorraum der Sparkasse eingedrungen. Sie traten und schlugen den Hauptkassierer, fesselten und knebelten ihn. Im Anschluss flüchteten sie mit 697 000 Euro.

Nur Insider konnten diesen Bereich erreichen. Brisant: Der Überfall ereignete sich wenige Minuten, nachdem ein Geldtransporter die Sparkasse erreicht hatte. Auf dem Beifahrersitz saß der Prodiac-Mitarbeiter Piotr P. aus Herford. Seine Aufgabe war es, nach der Geldanlieferung das Fahrzeug zu verlassen und per Knopfdruck die Sicherheitsschleuse zu öffnen. Bei dieser Gelegenheit soll er laut Anklage der Bielefelder Staatsanwaltschaft den Tätern eine durch einen PIN-Code gesicherte Tür geöffnet haben. Im Vorfeld soll er zudem Insiderwissen an die Räuber weitergegeben haben. P. aber hatte seine Tatbeteiligung stets vehement bestritten.

In der Urteilsbegründung ließ der Vorsitzende Richter Reinhold Hülsmann deutlich erkennen, dass die Kammer nach wie vor erhebliche Zweifel an der Unschuld des Angeklagten habe. Doch gäbe es für die belastenden Indizien mehrere Auslegungsmöglichkeiten. So hätten die Informationen über die örtlichen Gegebenheiten auch von anderen Personen – etwa Sparkassenmitarbeitern oder dem anderen Begleiter des Geldtransports – weitergegeben worden sein können.

Da die Beweismittel nicht reichten, folgte das Gericht trotz erheblicher Bedenken dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ und sprach P. frei. Damit folgte die Kammer dem Antrag von Verteidiger Ralf Neuhaus. Staatsanwältin Stefanie Dakers hatte zuvor fünfeinhalb Jahre Haft für den Angeklagten beantragt, der seinen Arbeitsplatz bei der Firma Prodiac nun voraussichtlich behalten wird. Die Staatsanwältin kündigte Revision gegen das Urteil an. „Ich kann die Urteilsbegründung nachvollziehen. Dennoch gehe ich nach wie vor davon aus, dass wir den Richtigen auf der Anklagebank hatten“, sagte Stefanie Dakers.

Artikel vom 25.08.2010 - 19.00 Uhr
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