Hessisch Oldendorf

Fledermäuse – fliegende Kobolde der Nacht
Von Barbara Jahn-Deterding

Hessisch Oldendorf. Man nennt sie auch die fliegenden Jäger der Nacht. Das nächtliche und zurückgezogene Leben der Fledermäuse und ihre Vorliebe für Keller, Höhlen oder Grabkammern hat die Fantasie der Menschen von jeher angeregt. Fledermäuse galten als böse Dämonen, nicht selten trägt der Teufel in früheren Darstellungen Fledermausflügel. Häufig haben Fledermäuse auch den Ruf, Blut zu saugen, doch nur in Mittel- und Südamerika gibt es drei Arten sogenannter Vampire.

In Deutschland gibt es derzeit 24 Fledermausarten, davon sind 17 im Landkreis Hameln-Pyrmont nachgewiesen. Die häufigsten Arten im Landkreis sind die Zwergfledermaus, von der viele Wochenstuben bekannt sind, und die Wasserfledermaus, die vom Gewässerreichtum unserer Region profitiert. Innerhalb Niedersachsens ist das Weserbergland zu einem wichtigen Rückzugsgebiet für das Große Mausohr geworden. In Hessisch Oldendorf gibt es eine große Mausohrwochenstube, die Nahrung finden ihre Bewohner in den umliegenden Buchenwäldern. Mit ihrer nächtlichen Nahrungssuche haben sich die Fledermäuse eine ökologische Nische erschlossen, denn Vögel, die ebenfalls Insekten fressen, machen ihnen dann keine Konkurrenz.

Damit die Tiere in der Dunkelheit ihre Beute finden und sich zwischen Gebäuden oder im Wald sicher bewegen können, nutzen sie ihre Echoortung: Während des Fluges stoßen sie für das menschliche Ohr kaum wahrnehmbare Ultraschalllaute aus. Diese sehr hohen Töne erzeugen ein Echo, wenn sie auf Beute oder Objekte stoßen. Anhand der Lautstärke des zurückkommenden Signals kann die Fledermaus die Größe und Entfernung des Objekts abschätzen. Das Echolautsystem arbeitet so präzise, dass die Tiere damit Gegenstände in der Dicke eines menschlichen Haares erkennen können. „Die Echoortung funktioniert so perfekt, dass die Hörbilder dieser Tiere unserem farbigen Sehen vergleichbar sind“, sagt Jürgen Wissel, Vorsitzender des Nabu Hessisch Oldendorf. Da die Tiere die Ortungslaute durch das Maul ausstoßen, müssen sie ihre Beute mit ihren Flügeln, wie mit einem Kescher, fangen. Im Flug führen sie die Beute dann blitzschnell zum Maul. Eine Fledermaus jagt in einer Nacht bis zu 4000 Mücken oder andere Insekten, die Insektendichte muss allerdings entsprechend hoch sein. Da die Insekten nur bei trockenem, warmen Wetter fliegen, sind die Fledermäuse auf gewisse Temperaturen angewiesen. Im Winter, wenn keine Insekten mehr zu finden sind, halten die Tiere einen bis zu sechs Monaten dauernden Winterschlaf.

Fledermäuse sind neben den Flughunden, ihren Verwandten aus Afrika, Asien und Australien, die einzigen Säugetiere, die fliegen können. Sie können dabei Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometer pro Stunde erreichen. Fledermäuse fliegen mit ihren Händen. Die Finger sind um ein Vielfaches länger als die Arme, zwischen Armen, Fingern und Beinen tragen sie Flughäute. Der Daumen ist wie eine Kralle rund gebogen. Damit klettern die Tiere an Bäumen oder rauen Felswänden entlang, wenn sie ihre Quartiere in dicken Bäumen oder Felsklüften aufsuchen. Solche Felsquartiere von überregionaler Bedeutung gibt es am Hohenstein, hier halten einige Arten ihren Winterschlaf. Winterquartiere sind auch einige Höhlen im Süntel, die von nationaler und internationaler Bedeutung für viele Fledermausarten sind. Hier überwintern Tiere aus unserer Region und aus weiter entfernten Gebieten, die Höhleneingänge sind zum Schutz der Tiere mit Gittern verschlossen.

Der aktive Fledermausschutz im Landkreis Hameln- Pyrmont begann 1983 mit der Gründung einer Arbeitsgruppe Fledermausschutz. Ein Schwerpunkt der Gruppe ist die Arbeit im Naturschutzgebiet Hohenstein mit seinen vielen Felsen und Höhlen. Dort wurden 1983 in Zusammenarbeit mit dem damals noch Staatlichen Forstamt Hessisch Oldendorf die ersten Fledermausansiedlungskästen angebracht. Diese Maßnahmen dienen dazu, den geschützten Tieren in ihren Lebensräumen das Überleben zu sichern. Grundlage der Arbeit ist die Erfassung und Kartierung der drei Lebensräume, die jede Fledermausart benötigt. Der Lebensraum der Tiere ist aufgeteilt in das Jagdbiotop, das Sommerquartier und das Winterquartier.

Das Interesse an Fledermäusen ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Immer mehr Menschen nehmen die Gelegenheit wahr, sich bei Fledermausführungen über diese faszinierenden Tiere zu informieren. Dazu besteht an diesem Wochenende im Rahmen der 14. Europäischen Fledermausnacht, der „Bat-Night“ in Hessisch Oldendorf, Gelegenheit. Ab 18 Uhr kann man einen Fachvortrag zum Thema Fledermaus hören, die Kinder werden mit Spiel und Spaß um das Thema unterhalten. Wenn dann der Abendhimmel dämmerig ist, beginnt eine Exkursion zu den Fledermäusen. „Da es nicht ganz einfach ist, die wendigen Jäger zu erkennen, wird sicher der Ultraschalldetektor zum Einsatz kommen, mit dessen Hilfe man den Fledermäusen bei der Insektenjagd zuhören kann“, verspricht Jürgen Wissel und hofft auf viele Interessierte, die in der hoffentlich lauen Augustnacht versuchen werden, die schwarzen Silhouetten am Abendhimmel zu erkennen.

Artikel vom 26.08.2010 - 19.00 Uhr
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