Hessisch Oldendorf
Ein heißer Winter – dank „Mira“Von Annette Hensel
Der Schuh „Mira“ ist der Hingucker in der neuen Kollektion.
Geschäftsführer Martin Hübner gibt Schuhfachleuten einen Einblick in die Herbst/Winterkollektion 2010/11.
Fotos: ah
Im Designcenter zeichnet Katrin Knauer einen Entwurf auf ein sogenanntes Hütchen auf.
Fischbeck. Sinnlich, sexy, eingehüllt in eine nebulöse Aura, steht Mira auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und zieht die Blicke auf sich. Mit ihrem hochgewachsenen, schlanken Körper überragt sie alle. Sie fühlt sich weich, leicht und angenehm an – wie aus Pfirsichhaut geformt. Dass das Winter-Topmodell bereits jetzt das Interesse weckt, obwohl aktuell die neue Frühjahrs- und Sommerkollektion präsentiert wird, kommt nicht von ungefähr. Mira, benannt nach einer italienischen Stadt, ist ein Overknee-Stiefel der nächsten Herbst- und Winterkollektion von Marc Shoes und erntete bei einer Präsentation vor Schuh-Fachleuten aus Wien, Frankfurt und Düsseldorf Bewunderung. Entworfen wurde der Stiefel mit dem dekorativen Riemen oberhalb des Knies vor sechs Monaten im firmeneigenen Designcenter. Zuvor hatten Designbüros in Italien modische Ideen mitgeteilt und Trendexperten ihre Farb- und Materialempfehlungen an Gerbereien, Stoffproduzenten und die Chemieindustrie weitergeleitet. Neue Modeströmungen werden alljährlich auch durch Trends der Straße und Musikszene sichtbar. Daran orientiert, werden Entwürfe auf Papier skizziert und meist am Computer in dreidimensionaler Darstellung umgesetzt und perfektioniert. Mithilfe des richtigen Leistens wird der Prototyp gefertigt, sobald Materialien, Sohlen, Absätze und Accessoires ausgewählt sind. Seit vier Jahren sorgt auch Designerin Katrin Knauer für viele kreative Schuh-Entwürfe in Fischbeck. Die 26-jährige gelernte Schuhmacherin zeichnet ihre Ideen von Hand auf sogenannte Hütchen, am Leisten geformte Plastikmodelle. „Auf diese Art erkenne ich gleich, ob die Proportionen stimmen“, erklärt sie. Auf die Hütchen klebt sie das von ihr ausgewählte Leder und die Accessoires. „So empfinde ich am besten den Originalschuh nach“, sagt sie. „Nur etwa ein Drittel unserer Entwürfe werden letztendlich produziert und kommen in den Handel“, gibt Katrin Knauer preis. Zuerst müssen die Prototypen einer Kommission, in der die Marc-Shoes-Geschäftsleitung vertreten ist, zusagen, bevor sie als Muster für den Außendienst produziert und dem Fachhandel vorgestellt werden. „Auch vom Catwalk runter ist dann nicht alles verwendbar für den Konsum“, weiß die Designerin. Als Overknee-Stiefel steht Mira in der Herbst/Winterkollektion 2010/11 nicht allein. „Alles wächst deutlich in die Höhe, wir setzen dabei auf Modernität und coole Optik“, verrät Marc Shoes-Geschäftsführer Martin Hübner und ergänzt: „Unsere Stärke liegt zudem im funktionalen Gore-Tex-Lederbereich.“ Im sogenannten Showroom zeigt er die neuesten Modelle für die kalte Jahreszeit, 160 Einzelmuster für die Damen, 80 für die Herren. Firmenmitarbeiter führen die interessantesten Schuhmodelle auf dem Laufsteg vor; erst im September wird die Öffentlichkeit sie zu Gesicht bekommen. Das zurückliegende, laut Hübner „fantastische Wintergeschäft“, das für Nachbestellungen sorgte, macht den Hausdesignern Mut, dass es viele ihrer Schaftstiefel im Herbst wieder bis in die Verkaufsregale schaffen und zu Trendsettern werden. Dafür sollen die unterschiedlich bearbeiteten Ledermaterialien, drei Innenfuttervarianten bei Stiefeletten und Stiefeln und die modische Farbpalette von Schwarz, Grau, Stahl, Taupe bis zu Braungrün-Tönen sorgen. Modisch ist alles vertreten: Keil- und Plateauabsätze, Vintage mit Nieten- und Blumenapplikationen, „light casual“, Moonboot-Optik oder kernig-kräftiges Schuhwerk. Ein Hingucker ist auch Sina. Ein Ballerina in Bergsteiger-Design, den Katrin Knauer detailverliebt entworfen hat. Und auch ein Oldie mischt wieder mit: „Wir wagen nach zehn Jahren ein Revival unseres Marc Walkers, weil viele Kunden immer wieder nach diesem Schuh gefragt haben“, erläutert Martin Hübner und verrät: „Ich schätze, dieser komfortable Schuh wird erfolgreich seinen Weg gehen.“ Von der Musterfertigung bis zur Vorstellung der Kollektion auf der internationalen Schuhmesse GDS in Düsseldorf am zweiten Märzwochenende sei es häufig ein kurzer, nervenaufreibender Weg, erklärt Dr. Claudia Schulz, Trendexpertin und Pressesprecherin des DSI (Das Schuhinstitut). „Buchstäblich mit der heißen Nadel gefertigt, landen die Schuhe manchmal in letzter Minute aus dem Bauch des Fliegers aus Italien, Spanien oder auch aus Fernost auf dem Messestand des Ausstellers“, weiß sie aus Erfahrung. Erst auf der Schuhmesse werden die Weichen für die Produktion gestellt; ordern die Einkäufer aus aller Welt die Paare für ihr Herbst- und Wintersortiment. Aus wirtschaftlichen Gründen werden nur die vom Handel am häufigsten bestellten Modelle produziert und gegen Ende des Sommers geliefert. „Erst dann zeigt sich, ob Designer, Hersteller und Einkäufer den Nerv der Verbraucher getroffen haben“, sagt die Trendexpertin. Vor wenigen Tagen ist Katrin Knauer von einer Infotour zurückgekehrt.
In Belgien, Holland und deutschen Modestädten wie Berlin, Köln oder Leipzig haben sich die Marc-Shoes-Designer umgesehen, was im Frühjahr 2011 angesagt ist. „Blau und Grün sind wieder im Kommen“, verrät die Designerin, bevor sie mit Entwürfen für das kommende Frühjahr beginnt.