Hessisch Oldendorf
Ein Stück Afrika in Hemeringen – Konzert für Kinder in TansaniaDer Gospelchor „Women in Voice“ beim Benefiz-Konzert in der Hemeringer Kirche. Foto: ah
Hemeringen (ah). „Alles klingt und sieht aus wie in Afrika“, bringt es Pastor Jens Riesener auf den Punkt. In der mit afrikanischen Wandteppichen und Holzfiguren geschmückten, voll besetzten Petruskirche dreht sich alles um „Kinder in Tansania“, lädt der gleichnamige Förderverein zu einem Benefizkonzert mit „Women in Voice“ ein. Alexander Schmidt und Annette Gehring aus Hemeringen sind in jenem Verein aktiv. Bei Weihnachtsmärkten in ihrer Kirchengemeinde haben sie bereits Kunstgegenstände aus Tansania vertrieben, in Seniorenkreisen über die Arbeit in Ostafrika berichtet.
Dem 2007 gegründeten Verein, dessen 25 Mitglieder vorwiegend aktive und ehemalige Mitarbeiter der Hamelner Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sind, steht die frühere Chefärztin Dr. Etta Jeremie vor. „Das ist eine erfüllende und ausfüllende Aufgabe“, sagt die Medizinerin im Ruhestand. „Gibst du einem Hungernden einen Fisch, so wird er einen Tag lang satt, aber lehrst du ihn fischen, hat er Nahrung für sein ganzes Leben“ zitiert sie ein chinesisches Sprichwort und erklärt: „Wir wollen in einem der ärmsten Länder der Erde Hilfe zur Selbsthilfe leisten, indem wir auf Ressourcen vor Ort, auf gewachsene Partner zurückgreifen.“ Ihre Stellvertreterin, Doreen Stodian, hat eine Zeit lang in Tansania gelebt, besucht das Land regelmäßig und recherchiert, welche Hilfsmaßnahmen zur Gestaltung einer lebenswerten Zukunft sinnvoll erscheinen.
Bereits Ende 2007 richtet der Verein in einem angemieteten Haus in Karatu eine Kindertagesstätte für 26 bis 28 Kinder im Alter von fünf Monaten bis fünf Jahren ein. Zu deren Betreuung, Förderung und gesundheitlichen Überwachung finanziert er sechs aus Tansania stammende Mitarbeiter. Ein Wassertank wird aufgestellt, eine Außenküche gebaut, das Freigelände gestaltet. Im Juli 2010 hat „Kinder in Tansania“ die Finanzen für den Kauf des Kinderhauses mit dem Namen Tabasamu, was übersetzt „Lächeln“ bedeutet, aufgebracht. Dort sind abendliche Schulungen der Eltern und die Einstellung einer Erzieherin geplant, ein Fonds für Notfälle in Familien soll gebildet werden. Für 30 Euro im Monat vermittelt der Verein Patenschaften für Kinder, die das Kinderhaus mit Schulbeginn verlassen. „Wir möchten auch ein Familienhaus einrichten, in dem eine Mutter mit ihren eigenen und Pflegekindern lebt, denn mehrere Kinder aus unserer Tagesstätte sind elternlos und werden unzureichend versorgt“, berichtet Dr. Etta Jeremie. Dem Thema des Abends entsprechend entführen acht „Powerfrauen“ der „Women in Voice“ die Besucher nach Afrika.
Sie steigen auf Kisuaheli ein, lassen das Publikum mittels Wortschilder mitmachen, ihre Stimmen nehmen den ganzen Kirchenraum ein. „Unser Weg ist steinig, aber wir kennen das Ziel“, leiten sie zu Liedern über die Sklaverei in Amerika über. Mitreißend, ergreifend und vielseitig sind ihre Beiträge in den Sprachen der Welt, witzig und spritzig servieren sie zugleich „Rum and Coca Cola“, zu dem Brause verteilt wird, oder mit blinkendem Herzschlag die „heiße Liebe“ zur Tasse Kaffee der Wise Guys. Begeistert geht, klatscht und singt das Publikum mit wie etwa beim abschließenden irischen Reisesegen.
Mit der Zugabe „Dream“ von den Everly Brothers klingt das Benefizkonzert aus, das dem Verein „Kinder in Tansania“ eine Spendensumme in Höhe von knapp 700 Euro beschert. „Nur in der Kontinuität bleibt unsere Hilfe wirksam“, hat Etta Jeremie zuvor erklärt; ein kleines Stück tragen die Hemeringer Gäste dazu bei.