Hessisch Oldendorf
Bulldogs quälen sich durch den MatschVon Frank Neitz
Wahrendahl. Jetzt gibt es auch in Wahrendahl eine richtige Schlammschlacht. Nicht etwa durch einen öffentlichen Scheidungskrieg wie dies in der High Society bisweilen geschieht, auch nicht durch parteipolitische Auseinandersetzungen. Vielmehr wühlen tonnenschwere Traktoren das Gelände am Waldrand westlich der Kreisstraße 26 zwischen Wahrendahl und Posteholz ordentlich durch. Viele Teilnehmer und Besucher erinnern sich noch an 2006, da versanken die Trecker beim Traktor-Pulling auch im Schlamm.
Treckerfreunde treffen sich alljährlich zum Wahrendahler Traktor-Pulling. Nach den Regenmengen, die in den Tagen vor der Veranstaltung heruntergingen, ist es eine echte Herausforderung für Mensch und Maschine, die mehrere Meter langen Buchen- und Eichenstämme den Hang hinaufzuziehen. Zuschauer an der Strecke, vorwiegend in Gummistiefeln, stehen bis zu den Knöcheln im Matsch, um das Spektakel verfolgen zu können. Die Spuren auf der durchweichten Pulling-Strecke sind tief.
Unten am Start in einer schmierigen Pampe machen sich Reinhard Wienkemeier und Karl-Heinz Hammer auf zum Gespann-Pulling. Wienkemeier fährt auf seinem Lanz Bulldog 35, Baujahr 1940, vorweg. An der Schleppstange hinter dem Oldtimer steuert Hammer einen Massey Ferguson 188. Beide Trecker haben zusammen 105 PS und starten mit weiteren sieben Gespannen in der Klasse bis 110 PS. „Symmetrisch fahren und Vollgas, dass beide die gleiche Geschwindigkeit fahren“, weiß Hammer, wie man den angeketteten Baustamm nach oben bis zum „Full-Pull“, dem Ziel auf der Anhöhe, hochbekommt. Aber heute klebt der Boden an den Reifen, das Erdreich ist schwer. „Wenn du Pech hast, schmeißt der Reifen die Erde nicht ab“, sagt der Eschenbrucher. Dann gräbt sich der Traktor ein – und aus ist es. Die Startphase glückt. Meter für Meter quält sich das Treckergespann durch den matschigen Boden den Berg hinauf. Dann eine kurze Unterbrechung, doch es geht wieder weiter. Bis sechs Meter vorm „Full-Pull“ geht die Fahrt, dort ist allerdings Feierabend für die beiden Eschenbrucher Pulling-Experten. Die Traktoren schaffen es nicht mehr, keinen Zentimeter geht es weiter. „Ärgerlich – noch mehr als ärgerlich“, so der Kommentar der beiden. Reinhard Wienkemeier ist der Gang rausgesprungen und der Lanz-Bulldog läuft im Rückwärtsgang weiter, zwar auch vorwärts, aber nicht mit der Leistung des Vorwärtsganges. Am Wetter und dem Schlamm soll es nicht gelegen haben, sagen beide unisono: „Gleiche Bedingungen für alle.“
110 PS reichen auch nicht für die drei Hanomags der Hastenbecker Treckerfreunde, um bis ans Ziel zu kommen, trotz einiger Tricks. Gewichte werden am ersten Trecker vorn und an den anderen hinten angebracht. „Du musst dir vorher die Strecke angucken und dort fahren, wo die Spuren noch nicht so tief sind“, erläutert Frank Hundertmark. Trotzdem fehlen dem Team zehn Meter zum Ziel. „Wegen der Bodenbeschaffenheit“, urteilen die Hastenbecker, die am nächsten Wochenende das eigene Treckertreffen im Schlosspark ausrichten.
Gewaschen und vom Schlamm befreit werden die Trecker bis dahin allerdings nicht. „Der Dreck fällt von alleine ab, wenn er trocken ist“, sagen die Hanomagfahrer. Mitten in der dreckigen Schmiere der Pull-Strecken laufen Frank Koalenski und Peter Görtz neben den Fahrzeugen her. Die beiden Kampfrichter können bei dieser schlammigen Veranstaltung weit weniger „Full-Pull“ als sonst anzeigen. Gerade die stärkeren Fahrzeuge graben sich gleich reihenweise ins Erdreich ein, schließlich haben sie auch die dicksten Stämme zu ziehen. Die widrigen Umstände an der Wettkampfstrecke, der dicke Schlamm, stört die beiden indes nicht. „Das war 2006 noch wesentlich schlimmer. Da lief das Wasser richtig den Hang hinunter“, erinnert sich Koalenski an ein Wahrendahler Traktor-Pulling mit noch mehr Matsch.
Eine Bildergalerie finden Sie dazu im Internet unter www.dewezet.de