Eilsen
Star-Hornist Freek Mestrini hat einen würdigen Nachfolger gefundenBad Eilsen (sig). Der holländische Komponist und Star-Hornist Freek Mestrini hatte ein Jahrzehnt lang mit der Schaumburger Trachtenkapelle Workshops abgehalten. Sie gingen immer einem Konzert voraus, das für dieses Ensemble alljährlich den musikalischen Höhepunkt bildete.
Welche guten Ergebnisse diese dreitägige gemeinsame Arbeit auch immer gebracht hatte, der Gastdirigent wollte es bei diesen zehn Jahren belassen. Deshalb musste sich die Trachtenkapelle auf die Suche nach einem Nachfolger begeben. Dafür benötigte man aber keine bundesweite Ausschreibung, sondern nur gute Kontakte.
Ein Mitglied des Ensembles kannte aus der gemeinsamen Jugendzeit Uwe Granitzer aus Petershagen. Der war einst mit der in unserer Region sehr bekannten Band „Sweet Hearts“ unterwegs und wirkte außerdem im Jugendorchester Petershagen mit. Granitzer beherrscht mehrere Instrumente, bevorzugt aber die Posaune.
Heute lebt er in Hamburg und arbeitet am St.-Pauli-Theater, wo er schon Auftritte mit Freddy Quinn hatte. Auch Roger Cicero begleitete der exzellente Posaunist. Mitgewirkt hat er bei zahlreichen bekannten Musicals wie „König der Löwen“ und „Cats“.
Wenn er in der Vergangenheit Workshops leitete, befasste er sich vornehmlich mit Musicals und Jazz. Für die Schaumburger Trachtenkapelle machte er eine Ausnahme mit der Konzentration auf traditionelle Blasmusik, ergänzt durch einen Musical-Block und rockige Hits der achtziger Jahre. Der Hamburger Gast dirigiert anders als sein Vorgänger Mestrini, aber er macht das auch keineswegs statisch, sondern mit voller Konzentration und Verve. Ihm war anzumerken, dass er ein Faible für Musicalmelodien hat.
Das sehr gut besuchte zweieinhalbstündige Konzert im Eilser Kursaal lockte die Zuhörer, darunter auch die Mitglieder mehrerer anderer heimischer Musikgruppen, sehr schnell aus der Reserve.
Ensemblechef Lars Bögel, der als Mediziner promovierte, hatte eine bunte Mischung aus böhmischen und mährischen Polkas, aus Märschen, Walzerklängen und einem Medley von Andrew Lloyd Webber zusammengestellt. Fast zum Schluss gab es noch unter dem Titel „Eighties Flashback“, arrangiert von Paul Murtha, einen Rückgriff auf einige überwiegend rockige Hits der achtziger Jahre.
Es gab eine Reihe imponierender solistischer Beiträge, unter anderem von Lars Bögel, Uwe Granitzer, Alexander Heine und dem erst 14-jährigen Trompeter Liam Tosar. Markus Meier und Dirk Henschel legten einen flotten „Solotrommler-Marsch“ hin.
Eine Komposition, speziell geschrieben für Vlado Kumpan, erinnerte an den Auftritt des berühmten slowakischen Startrompeters, der vor einigen Jahren mit seiner Kapelle in Heeßen zu Gast weilte. Ein weiterer Höhepunkt des Konzertes der Schaumburger Trachtenkapelle war das Instrumentalstück „Einsamer Hirte“, komponiert von James Last.
Bei der abschließenden Zugabe, dem Marsch der Niedersachsen, erhoben sich alle Zuhörer von den Plätzen, klatschten und sangen begeistert mit. Dirk Hasse trug mit seiner souveränen Moderation dazu bei, dass dieser Auftritt der Schaumburger Trachtenkapelle wieder neue Freunde gebracht hat.