Eilsen

„Sie schlugen zu, bis die Hand schmerzte“

Luhden (sig). „Ich wollte werden, was ich bin.“ Nicht allen wird es gelingen, so Anspruch und Wirklichkeit in Einklang zu bringen wie Erich Kästner. Für die meisten ist er der namhafteste deutsche Kinderbuchautor, aber er hatte noch andere Qualitäten. Damit befasste sich das „Literarische Kabinett“ des Eilser Heimat- und Kulturverein im Luhdener Kirchenzentrum.

Lutz Gräber zitierte einen Text, in dem viel Positives über den gebürtigen Dresdner steht. Kästner sei Klassenprimus gewesen, ein radikaler Humanist und satirischer Menschenfreund. Er habe viel an sich gearbeitet und sei sich treu geblieben. An die Schulzeit hatte er aber nicht nur gute Erinnerungen, weil mancher Lehrer gewalttätig war.

Über seine sächsische Heimatstadt schrieb Kästner: „Ich musste nicht erst lernen, was schön ist. Ich durfte die Schönheit einatmen.“ Friedrich Winkelhake erwähnte, dass der Autor 20 Kinderbücher geschrieben hat. Einige davon sind in viele Sprachen übersetzt worden. Aber er konnte auch sehr lyrische Verse verfassen.

Für den Start des Frühlings fand Kästner zum Beispiel diese Worte: „Die Bäume räkeln sich. Die Luft ist weich, als wäre sie aus Daunen. Der Lenz ist da. Die Welt ist frisch gestrichen.“ Mit solchen poetischen Formulierungen hätte er sich aber sein Geld nicht verdienen müssen, denn anfänglich wollte er Lehrer werden und studierte in Leipzig Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft.

Die Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg zwang ihn jedoch, sich sein Brot mit Nebenjobs zu verdienen. Er wurde bei mehreren Zeitungen freier Mitarbeiter, schrieb Theaterkritiken und befasste sich in seiner Promotion mit Friedrich dem Großen und der deutschen Literatur.

Zu den Politikern der Weimarer Republik und der Nachfolgezeit hatte Kästner kein gutes Verhältnis. Das führte schließlich dazu, dass man ihn aus dem Schriftstellerverband warf und seine Bücher verbrannte. Als auch der Zweite Weltkrieg verloren war, ließ Kästner Folgendes verlauten: „Hätten wir den Krieg gewonnen, würde Deutschland einem Irrenhaus gleichen, und Gott wäre ein deutscher General.“ Und weiter: „Es würde auf Befehl geboren, und die Vernunft läge in Ketten.“

Den Lehrern, die er in seiner Schulzeit kennenlernte, stellte Kästner kein gutes Zeugnis aus. Pro Woche hätten diese einen Rohrstock verbraucht, um Kinder zu schlagen, „bis die Hand niederträchtig schmerzte“. Wenn der Stock zersprang, habe es Backpfeifen gehagelt. Dennoch wurde sein autobiografisches Buch „Das fliegende Klassenzimmer“ zu einem Bestseller.

Eine sehr gute Beurteilung hat auch das „Literarische Kabinett“ für seinen Auftritt verdient. Winkelhake, Gräber und Dieter Gutzeit bereicherten das Wissen der Zuhörer auf amüsante Weise. Dazu gab es zum Einstieg noch eine deftige „Dresdner Soljanka“ von Günter Bergmann, die bestimmt auch Erich Kästner geschmeckt hätte.

Artikel vom 07.03.2010 - 23.00 Uhr
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