Eilsen

Kindergarten mit Sandsäcken gesichert
Von Thomas Wünsche

Informiert sich selbst über den Stand des Aue-Hochwassers am Tuffstein-Durchlass im Kurpark: Bad Eilsens Bürgermeisterin Christel Bergmann. Fünf Anhänger voll Treibholz hat der Bauhof der Gemeinde bereits aus den Fluten gefischt. Fotos: tw

Eilsen. Der Dauerregen, der gestern das Zentrum von Stadthagen überschwemmte, hat Eilsen nicht links liegen gelassen. Zeitweise war der Kindergarten „Sinai“ bedroht, musste mit Sandsäcken gesichert werden. Außerdem setzte die Aue Teile des Kurparks unter Wasser. Ob dort am heutigen Samstag, 28. August, ab 18 Uhr das Fürstenfest wie geplant stattfinden kann, stand bei Redaktionsschluss noch nicht mit letzter Sicherheit fest. Dabei hatte alles zunächst ganz harmlos begonnen: „Erst 30 Liter pro Quadratmeter“, hatte Hartmut Krause, Bürgermeister in Buchholz und Samtgemeindebrandmeister, nach dem ersten Starkregen am Donnerstag gegen 17 Uhr gemeldet. Da sollte das Schlimmste erst noch kommen …

„In Luhden“, berichtet Svenja Edler, „musste die Freiwillige Feuerwehr des Ortes ab 21 Uhr die Dorfstraße unterhalb des Friedhofs voll sperren.“ Die Stellvertreterin des Samtgemeindebürgermeisters: „Der Asphalt war komplett verschlammt, konnte nach einer Reinigung durch die Wehr aus Bad Eilsen erst am Freitag gegen 13 Uhr wieder geöffnet werden.“ Ortsbrandmeister Thomas Hahne, um 20.18 Uhr alarmiert, hat ein dickes Lob für den Luhdener Landwirt Wilhelm Tecklenburg: „Herr Tecklenburg hat die Feuerwehr am Donnerstagabend und am Freitag vorbildlich unterstützt. Er hat den Graben geräumt, den Gehweg gereinigt und die Straße abgeschoben. Klasse!“

Für die Feuerwehr Ahnsen kam der erste Einsatz Freitagmorgen um 4.20 Uhr: „An der Obernkirchener Straße hatte die Aue den Parkplatz vor Haus Desiree überflutet“, berichtet Andreas Mohr. Der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Bad Eilsen, die in der Folge die Masse der Einsätze übernahm: „Das Wasser lief die Kellertreppe runter – wir mussten abpumpen.“ Viele Kurgäste hatten ihre Autos dort geparkt. „Die Aue“, sagt Andreas Kunde, Leiter des Ordnungsamtes im Eilser Rathaus, „stand zwei Zentimeter unterhalb der Fahrzeugtüren“. Kunde notierte die Kennzeichen, ließ die Halter im Rehazentrum ausrufen; acht kamen, retteten in letzter Minute ihre Wagen; ein ganz später „pflückte“ den seinen noch gerade eben vom Haken. „Übrig blieb ein Fahrzeug, das wir dann bergen und zum Rathaus schleppen mussten“, sagt Kunde.

Weitere Einsätze für die Feuerwehr des Kurortes folgten um 5 Uhr und um 7.25 Uhr: „Sowohl in Ahnsen an der Friedrich-Ebert-Straße als auch in Bad Eilsen an der Friedrichstraße mussten Keller leer gepumpt werden“, so Mohr. Kunde: „Zwischen 7.30 und 8 Uhr brachen dann ,oben’ alle Dämme.“ Gemeinsam sicherten die Feuerwehr und der Bauhof der Samtgemeinde um 9 Uhr die zwei Zufahrten zum Kindergarten Sinai mit Stempeln und 40 Sandsäcken. Die Truppe von Bad Eilsens Bauhofchef Bertram Meier kämpfte derweil bereits ab 4.30 Uhr im Kurpark: „Der Tuffstein-Durchlass drohte sich zuzusetzen“, so Meier. Das Treibholz, das der Bauhof am Nadelöhr aus der Aue fischte, füllte fünf Anhänger. „Jetzt hat sich ausgezahlt, dass wir damals die Notaue auf ihr altes Niveau vertieft haben“, so der Bauhofchef dankbar. Die nämlich nahm die braunen Auefluten auf; so wurde verhindert, dass das Bistro und die Tennisplätze überschwemmt wurden.

Derweil herrschte an der Remise Land unter. Das Wasser schwappte in die Garagen. Im Bauhofgebäude wurden die Maschinen, die nicht im Einsatz waren, auf Podesten in Sicherheit gebracht.

Als das Gröbste vorbei schien, wurde die Feuerwehr Bad Eilsen um 11.10 Uhr zum Reisebüro Bückeburger Straße gerufen; auch dort lief ein Keller voll. Ab Mittag war für die Einsatzkräfte an vielen Orten und Straßen Reinemachen angesagt: so am Osterfeld in Heeßen oder am Eichkamp in Buchholz.

Wichtig: Die Frage ist jetzt, ob der Besuch von „Fürst Ernst“ angesichts des Zustands der Gartenanlagen stattfindet – oder nicht. „Er findet auf jeden Fall statt“, sagte gestern Bad Eilsens Bürgermeistern Christel Bergmann. Denn der Fürst könne den Tuffsteinbrunnen trockenen Fußes erreichen; und auch die für das Fest relevanten Flächen um Konzertgarten und Musikmuschel seien ausreichend befestigt. So weit indes mochte Edler nicht gehen. „Das Fest wird nicht um jeden Preis stattfinden“, so die Gemeindedirektorin. Ob oder ob nicht sei von der weiteren Wetterlage abhängig und könne mit letzter Sicherheit erst im Laufe des heutigen Samstags gesagt werden.

Artikel vom 28.08.2010 - 00.00 Uhr
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