Eilsen

Hat die Gemeinde den Senioren genug zu bieten?

Mit dem Bus ans Brandenburger Tor in Berlin: Das ist – als Beispiel – eine von zahllosen Möglichkeiten für eine Seniorenfahrt. Ob die Bürger von Heeßen Interesse an einer von ihrer Gemeinde organisierten oder bezuschussten Fahrt haben, wird auf der Weihnachtsfeier Ende 2012 abgefragt. Foto: obs/WSP - Tourismusmarketing

Heeßen (tw). Tut die Gemeinde genug für die Dorfgemeinschaft? Wenn nein: Könnte dann eine vom Rat angebotene Seniorenfahrt das Richtige sein? Wenn ja: Kann sich der Ort die Finanzierung einer solchen Fahrt überhaupt leisten? Fragen, angesichts derer die Bürgervertreter bei ihrer jüngsten Zusammenkunft im Restaurant Heeßer Krug um Antworten gerungen haben. Um das Ergebnis gleich vorwegzunehmen: Zumindest 2012 wird es – noch – keine solche Seniorenfahrt geben; ob der Rat sie in den Folgejahren anbieten wird, hängt von der Meinung der Senioren selbst ab. Die soll bei der nächsten Seniorenweihnachtsfeier erkundet werden.

So haben’s die Abgeordneten von SPD/Grüne, CDU und Einzelkämpfer Gerhard Hasse gemeinsam beschlossen. Und dabei durchblicken lassen, dass selbst, wenn die Senioren eine Fahrt wollen, die Gemeinde wohl nicht alle Kosten übernehmen wird.

Die Vorgeschichte: Die Gemeinde in Gestalt ihres Gemeindedirektors Bernd Schönemann und seiner Stellvertreterin Kerstin Döring hatte angeregt, über eine Seniorenfahrt nachzudenken, denn: „Aufgrund des Ausfalls des Dorfgemeinschaftsfestes hat es in den zurückliegenden Jahren seitens des Rates nur wenige kulturelle Angebote für die Bürger gegeben“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Ergo könne zum Beispiel eine Seniorenfahrt geplant werden.

Erkundigungen bei der Nachbargemeinde Buchholz hätten ergeben, dass dort eine Seniorenfahrt im Wechsel mit einer Seniorenweihnachtsfeier erfolge. Buchholz kalkuliere dabei mit 50 Euro pro Person – inklusive Busfahrt, Besichtigungen und Essen. Eine Buchholzer Seniorenfahrt könne Heeßen vielleicht sogar als Pendant übernehmen.

Schönemann macht die Rechnung auf: „Wenn die Gemeinde Heeßen alle Bürger im Alter ab 70 einladen würde, müssten 275 Einladungen versandt werden; sollte auch Partnern die Teilnahme an der Seniorenfahrt ermöglicht werden, wären es noch mehr.“ Zumindest was die Seniorenweihnachtsfeier angeht, gelte die Einladung der Gemeinde tatsächlich auch für die jeweiligen Partner. Zur jüngsten Seniorenfeier 2011 seien 75 Bürger erschienen; in dieser Zahl waren deren Partner bereits mit eingerechnet.

„Erfahrungswerte“, so Döring, „haben gezeigt, dass wir bei einer Seniorenfahrt mit etwa 150 Teilnehmern rechnen müssten“. Was unterm Strich bedeute, dass die Gemeinde im Etat 2012 etwa 7500 Euro für ein solches Event reservieren müsste.

„Das Dorfgemeinschaftsfest machte zwar immer viel Arbeit, kam bei den Bürgern aber nicht so gut an“, erinnert Bürgermeister Harald Bokeloh (SPD) zu Beginn der Diskussion um Für und Wider einer solchen Seniorenfahrt. Doch die Begeisterung der Abgeordneten hält sich schon allein angesichts der Kosten in Grenzen – zumal der Etat der Gemeinde ohnehin im Schatten des Großprojekts „Sanierung der Schulstraße“ steht; die schlägt mit 550 000 Euro, diejenige des Regenwasserkanals mit weiteren 220 000 Euro ins Kontor.

Das Dorfgemeinschaftsfest sei zwar nicht gut besucht worden, „wohl aber das Erntefest der Dorfjugend und die Seniorenweihnachtsfeier der Gemeinde“, befindet Heinrich Meier (CDU). Auf Letztere habe der Rat Einfluss; deshalb müsse er an dieser Feier festhalten. Buchholz sei finanziell bekanntlich auf Rosen gebettet, Heeßen nicht. Sollte sich die Gemeinde dennoch entschließen, eine Seniorenfahrt anzubieten, „müssten sich auch die Teilnehmer finanziell beteiligen“, rät Meier.

„Wir können uns nicht mit Buchholz vergleichen“, meint auch Gerhard Möhlmann (SPD). Davon abgesehen sei Heeßen 2012 schon allein organisatorisch nicht in der Lage, eine Seniorenfahrt auf die Beine zu stellen und in persona zu begleiten; eine solche Fahrt sei allenfalls langfristig eine Perspektive. Der Politiker: „Bei der Organisation könnten wir dann vielleicht die Dorfjugend mit ins Boot holen – und so eine Verbindung von jung und alt schaffen.“ Was die Finanzierung betrifft, könne die Gemeinde Busfahrt und den Eintritt übernehmen; für die Verpflegung aber müsste jeder der Teilnehmer dann selbst sorgen. Ganz wichtig auch: Eine Seniorenfahrt könne nur alternativ zur Seniorenweihnachtsfeier stattfinden; ansonsten würden die Älteren in einem Übermaß protegiert. Möhlmann: „Wir müssen auch an die mittlere Generation mit Kindern denken – für die machen wir gar nichts.“

Ähnlich sieht das auch Hasse: „Die Seniorenweihnachtsfeier hat sich bewährt, sollte beibehalten werden.“ Außerdem könne die Gemeinde keine 7500 Euro aufbringen, um 150 Bürgern etwas zu bieten. „Fangen wir einmal mit einer Seniorenfahrt an, bringen wir uns selbst in Zugzwang. Dann wird das alle Jahre wieder von uns erwartet“, begründet Manfred Schönenborn (CDU) seine Ablehnung. Gabriele Walz (SPD) drängt auf eine Eigenbeteiligung der Senioren: „Nur so hat eine Anmeldung auch verbindlichen Charakter.“ Anderenfalls bestelle die Gemeinde unter Umständen für viel Geld Busse für Menschen, die dann doch nicht führen.

Laut Frank Harmening (CDU) gibt es bereits eine Fülle von professionellen Anbietern für Seniorenfahrten; weitere offerierten die Sozialverbände und die Kirchen den Älteren. Eine von der Gemeinde ausgerichtete Seniorenfahrt schließe also keine Angebotslücke. Möhlmann nimmt diesen Gedankengang auf, regt an: „Die Gemeinde könnte dem Sozialverband oder der Kirche auch einen zweckgebundenen Zuschuss geben, wenn von dieser Seite eine Fahrt für unsere Senioren angeboten wird.“

Artikel vom 28.01.2012 - 00.00 Uhr
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