Eilsen
Bad Eilsen erhält Prädikat von Minister BodeVon Thomas Wünsche
Etappenziel erreicht: Bernd Schönemann, Ulrich M. Petersen, Sabine Visse, Svenja Edler und Christel Bergmann (v.l.n.r.) freuen sich, dass Bad Eilsen vom Ministerium als „Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb“staatlich anerkannt worden ist. Foto: tw
Bad Eilsen. Großer Tag für Bad Eilsen: Die Gemeinde hat von Niedersachsens Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr Jörg Bode offiziell das Prädikat „Staatlich anerkannter Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb“ zuerkannt bekommen. „Bad Grund“, sagt der aus der Landeshauptstadt angereiste Ministerialdirigent Ulrich M. Petersen bei der Übergabe der Urkunde (und der Rechnung) im Rathaus der Samtgemeinde, „hat aus diesem Anlass einen Gedenkstein aufgestellt…“; die Harz-Kommune war kürzlich als „Kurort mit Heilstollentherapie“ staatlich anerkannt worden.
Einen Gedenkstein freilich wird’s in Bad Eilsen aus Anlass der Prädikatsverleihung nicht geben. Das hat zwei Gründe: „Zum einen“, sagt Christel Bergmann, „ist unsere Schatulle leer.“ Zum anderen, so die Bürgermeisterin mit Nachdruck, „wollen wir wieder ein Heilbad werden.“ Dieser – höherwertige – Status ist Bad Eilsen im Zuge der Begutachtung durch das Land nämlich einstweilen abhanden gekommen …
Dennoch ist das jetzige Prädikat „Staatlich anerkannter Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb“ für die Spitzen aus Rat und Rathaus ein Grund zur Freude; denn ein anderes hatte die Gemeinde in Hannover – noch – nicht beantragt. Sie weiß, dass es vermessen wäre, sich schon jetzt auf eine Stufe mit „Premium“-(Heil-)Bädern wie Bad Zwischenahn, Bad Pyrmont, Langeoog, Norderney, Bad Harzburg oder Bad Rothenfelde stellen zu wollen. „Unsere Devise“, sagt Bergmann, „lautet ,stepp by stepp’ – wir bewegen uns Schritt für Schritt auf dieses Ziel zu.“
Laut Petersen gilt das Prädikat „Staatlich anerkannter Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb“ für zehn Jahre. Das Land wäre nur dann gezwungen, es Bad Eilsen wieder abzuerkennen, wenn die Heilquellen versiegen oder die Qualität der Luft zu schlecht würde… Eine Einstufung als Heilbad kann dagegen jederzeit beantragt werden.
„Durch die Neuprädikatisierung“, erinnert der Ministerialdirigent, „will das Land das Niveau der Bäder in Niedersachsen deutlich anheben und dabei die schwarzen von den weißen Schafen trennen“. Der Behördenleiter: „Viele haben sich zu lange auf ihren Lorbeeren ausgeruht.“ Nunmehr gilt: Wer nicht bis zum 31. Dezember ein – neues – Prädikat vorweisen kann, darf keine Kurtaxe mehr nehmen. „Das ist der Grund, warum jetzt auf den letzten Metern vor der Ziellinie ein regelrechtes Windhundrennen der Orte eingesetzt hat“, weiß Petersen. Die Niedersächsische Bäderagentur, die die Begutachtung vornimmt, sei von Anträgen regelrecht überschwemmt worden.
Was Bad Eilsen betrifft, „so sind Sie hervorragend aufgestellt“, lobt Sabine Visse vom Referat Tourismus beim Niedersächsischen Ministerium für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr. Allerdings sei da „noch viel Luft nach oben“ drin. Visse auf Nachfrage der Redaktion, was Bad Eilsen denn noch fehle, um vom Ministerium wieder als Heilbad anerkannt zu werden: „In erster Linie ein Flair wie es die Premium-Kurorte haben.“ Zwar besitze Bad Eilsen einen wunderschönen Kurpark, aber drum herum liege noch vieles im argen; das einstige Badehotel, für das noch immer ein Käufer gesucht wird, sei da nur ein Aspekt.
Derweil hat Petersen bereits eine Idee, wie man die „Luft nach oben“ ausfüllen kann: „Vermarkten Sie doch Ihre Kulturgrößen aus vergangenen Jahren.“ Eben das tue die Gemeinde noch nicht konsequent genug. „Ich selbst wusste bis vor Kurzem gar nicht, dass Franz Liszt in Bad Eilsen kurte – und ich wohne nur wenige Kilometer entfernt in Hannover.“ So biete es sich an, regelmäßig Franz-Liszt-Wochen im Kurort zu veranstalten und einen Franz-Liszt-Preis auszuschreiben. „Junge Pianisten der Musikhochschule Hannover würden sich die Finger danach lecken“, sagt der Ministerialdirigent. Denn genauso wie etwa Heiligendamm für alle Zeiten mit dem G 8-Wirtschaftsgipfel verknüpft werde, müsse es möglich sein, auch das einstige Weltbad im Schaumburger Land mit etwas – oder einem – Großen zu verbinden.
Übrigens: Petersen hat als Dankeschön für seinen Besuch in Bad Eilsen von Bergmann einen Schirm mit dem Logo des Bades überreicht bekommen – damit das Land den Kurort auch in Zukunft nicht im Regen stehen lässt.