Bückeburg
Schuhhaus Niemann übersteht Überflutung glimpflichCammer (bus). Das Schuhhaus Niemann in Cammer hat die Überflutungen der zurückliegenden Tage (wir berichteten) relativ glimpflich überstanden. Die Verkaufsflächen wurden entgegen ersten Vermutungen von den Wassermassen nicht direkt in Mitleidenschaft gezogen. Allerdings hätten nach Einschätzung von Inhaber Philipp Niemann und Ortsbrandmeister Söhnke Schillack „keine zehn Zentimeter gefehlt und die Schuhe wären auf die Straße geschwommen“.
Für den relativ unbeschadeten Ausgang zeichneten in erster Linie rund 120 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) verantwortlich, die sich von Donnerstagmorgen bis Samstagvormittag den vom Aue-Kanal herbeiströmenden Fluten entgegenstemmten. Wobei die Feuerwehrkameraden kreis- und landesgrenzenübergreifend aktiv waren und das THW mit einer „Funktionsgruppe Wasserrettung“ aus Gütersloh anrückte. „Ohne die Unterstützung des Hilfswerks hätten wir wahrscheinlich wenig ausrichten können“, meint Schillack, der am Schuhhaus seinen ersten großen Einsatz zu verantworten hatte. Eine einzelne Pumpe der Spezialeinheit könne etwa 15-mal so viel Wasser bewegen wie eine der handelsüblichen Feuerwehrpumpen, verdeutlicht der Ortsbrandmeister.
In 130 Jahren hat’s das nicht gegeben
Eine Überschwemmung in der aktuellen Größenordnung ist in Cammer niemandem bekannt. „In unserer 130-jährigen Firmengeschichte sind wir so noch nie abgesoffen“, schildert Inhaber Niemann die Dimension. Zum Glück sei niemand durch die Flutmassen, von denen auch etliche benachbarte Häuser und Grundstücke betroffen waren, zu körperlichem Schaden gekommen. Schwer erwischt hat es indes die unterhalb der Verkaufsebene angesiedelte Orthopädie-Werkstatt, welche völlig unter Wasser stand. „Aber es geht weiter“, kündigt Niemann an.
Der Firmenchef will in Zukunft „Druck aufbauen, damit sich hinsichtlich des Hochwasserschutzes etwas tut“. Kritisch betrachtet Niemann vor allem den Zustand von Aue-Kanal und Riehe.
Kanal ist nicht geräumt worden
Der Aue-Entlaster erwecke den Eindruck eines natürlichen Baches, besitze aber hauptsächlich die Funktion eines zum Entwässern gebauten Kanals. Diesen nicht ausreichend zu räumen, sei „grob fahrlässig“. „Ich werde in diesem Zusammenhang keine Auseinandersetzung scheuen“, gibt er zu verstehen.
Das Schuhhaus dankt allen Helfern für deren Arbeit. In der Nachbarschaft habe ein toller Zusammenhalt geherrscht, die Mitarbeiter hätten „granatenmäßig mitgezogen“, alle gemeinsam Sensationelles geleistet. „Damit sich der Besuch bei uns besonders lohnt, haben wir viele interessante Angebote aus der neuen Herbst/Winter-Kollektion geschnürt“, lässt der Inhaber wissen. Und dass Niemann trotz der enormen Herausforderungen der vergangenen Tage den Humor nicht verloren hat, stellt eine Einschränkung unter Beweis. „Bitte haben Sie dafür Verständnis“, teilt er der Kundschaft mit, „dass wir Gummistiefel leider nicht mehr in allen Farben vorrätig haben.“