Bückeburg
Erstochen, erhängt, erwürgt und eingemauertEdelfedern: Die Preisträger des Schreibwettbewerbs „Bückeburg mordet“ in der Buchhandlung Scheck. Es fehlen Jürgen Protz aus Memmingen und Jürgen Schoppmann aus Bückeburg. Foto: tw
Bückeburg (tw). „Bückeburg mordet“ – mit einer Inbrunst, dass einem Angst und Bange vor seinen Mitmenschen wird: Da wird erstochen, erhängt, erwürgt und eingemauert, dass es einem kalt den Rücken runter läuft. Nachdem 57 Kommissarinnen und Kommissare zwischen acht und 80 Jahren einer dreiköpfigen Jury in zwei dicken Aktenordnern mehr als ein halbes Hundert Leichen geliefert haben, ist der Fall für Buchhändlerin Brigitte Spannuth, Rezitator Frank Suchland und Redakteur Thomas Wünsche jetzt klar: Der Schreibwettbewerb, den die Buchhandlung Scheck zum 75. Geburtstag ausgelobt hatte, hat zwölf Preisträger hervor gebracht.
Das der Jury zuvor unbekannte Dutzend ist jetzt von „Scheck“-Inhaberin Kerstin Lorenzen im Geschäft an der Langen Straße enttarnt und mit zugelosten Preisen geehrt worden: Gutscheine zwischen 50 und 500 Euro, limitierte Schmuckausgaben der historischen Werke von Ken Follett, prall gefüllte Büchertaschen, Buchpakete mit Leselampen, Hörbuch-Editionen der Kriminalromane von Henning Mankell, Tintenherz-Spiele und, und, und …
Der Hauptpreis aber gehört allen Autoren gemeinsam: „Ihre Krimis“, sagt Lorenzen, „werden noch vor Weihnachten als Taschenbuch erscheinen.“ Konkret hat sich Suchland spontan entschlossen, die Krimisammlung mit einer ISBN-Nummer zu versehen und im Verlag ContraPunkt (Bückeburg) zu verlegen; gedruckt wird sie dann in einem kleinen, aber feinen Betrieb in Bruchköbel nördlich von Hanau. Der Erlös soll einer gemeinnützigen Einrichtung in Bückeburg gespendet werden. Kommt hinzu: Sobald das Buch erschienen ist, wird Suchland im Rahmen einer 90-minütigen Lesung eine Auswahl von etwa fünf Geschichten öffentlich vortragen; Zeit und Ort werden rechtzeitig bekannt gegeben.
„57 Einsendungen – mit einer so hohen Zahl haben wir nicht gerechnet“, freut sich Lorenzen. Und ergänzt: „Deswegen mussten wir einen Zeitzuschlag geben.“ Die Jurymitglieder kannten von den Autoren allein das Alter und den Beruf. Dennoch haben Letztere ihren Kritikern auf die eine oder andere Art ganz schön zugesetzt. Spannuth: „Jedes Mal, wenn ich nach Einbruch der Dämmerung durch den Bückeburger Schlosspark gegangen bin, habe ich geguckt, ob da nicht irgendwo ein Messer zwischen den Bäumen aufblitzt – so atmosphärisch dicht waren viele der Kriminalgeschichten.“ Derweil lobt Suchland: „Es ist bemerkenswert, wie viel Kreativität in der Region noch darauf wartet, entdeckt zu werden. Und wie groß die Bandbreite der Themen und Stilformen ist, die die Autoren abgedeckt haben: Da geht’s um Nationalsozialismus und Zwangsarbeit, Zeitsprünge und Zeitreisen, aber auch um Mystik und Satire.“
Das meint auch Wünsche. Wenngleich der Redakteur ebenso wie seine Mit-Juroren froh gewesen wäre, wären ihm einige wenige der nicht prämierten Beiträge erspart geblieben: „Einiges muss offenbar in einer Art Blutrausch niedergeschrieben worden sein; wobei die roten Nebel vor den Augen den Blick auf Rechtschreibung und Zeichensetzung zuweilen verschleiert haben.“ Schade, denn auch darunter waren durchaus gute Geschichten…
Die besten Autoren:
Jürgen Protz (Memmingen): „Der Komplize“;
Stefanie Richter (Bückeburg): „Die Liste“;
Nicole-Annette Leonhard (Bückeburg): „Finitrio“;
Dr. Kirsten Bliefernicht (Bückeburg): „Klassentreffen“;
Ortrud Büthe (Bückeburg): „Das Geheimnis der Mühle“;
Regine Mädje (Bückeburg): „Hermelin“;
Jürgen Schoppmann (Bückeburg): „Die Nacht der Gaukler“;
Dr. Heike Schmidt (Porta Westfalica): „Aquamarin“;
Björn Brocks (Bückeburg): „Die Akte ist geschlossen“;
Nane Lenard (Bückeburg): „Nachtmilch“;
Rudi Küssner (Hessisch-Oldendorf): „Tod in der Mühle“;
Birte Mirbach (Köln): „Bückeburg braucht eine Detektivin“.
Für die Geschichten der ersten sechs Autoren sprachen sich alle drei Jurymitglieder gemeinsam aus; die anderen sechs fanden jeweils einen oder zwei Befürworter.
Übrigens: Die Buchhandlung Scheck, die jetzt „75.“ feiert, wurde 1935 als „Neuzeitliche Leihbücherei“ gegründet. Erst als Brigitte Spannuth 1967 in den Laden kam, wurde daraus eine Buchhandlung. Spannuth führte das Geschäft von 1980 bis 2006. Seit 1. März 2006 ist „Scheck“ im Besitz von Kerstin Lorenzen.