Bückeburg
Berufswahl an den Begabungen ausrichtenBückeburg (wk). Mit einem gemeinsamen Informationsabend haben die Graf-Wilhelm-Schule (Ort der Veranstaltung) und die Herderschule interessierten Eltern das von den Berufsbildenden Schulen (BBS) Stadthagen angebotene „PS-Pro-Verfahren“ vorgestellt. Diese Testmethode dient dazu, für jeden daran teilnehmenden Schüler ein „persönliches Stärke-Profil“ (daher die Bezeichnung „PS-Pro“) zu erstellen.
Viele Schüler würden „leider“ nicht wissen, welchen Beruf sie nach Beendigung ihrer Schulausbildung wählen sollen, zumal die Schulnoten selbst nicht alle Stärken und Schwächen wiedergeben würden, erläuterte Michaela Röhrich, die Sozialpädagogin der Graf-Wilhelm-Schule. „Allen Menschen sind jedoch bereits von Geburt an individuelle Begabungen mit auf den Weg gegeben worden, auf denen sie ihre Berufswahl aufbauen sollten.“ Denn dann müssten sich die jungen Leute beispielsweise bei ihrer Ausbildung viel weniger Fertigkeiten aneignen als jene Auszubildende, die für den ausgesuchten Beruf kein respektive nur wenig Talent mitbringen.
Einen Einblick in die Analyse-Praxis gab Sabrina Heitmeier, beratende Lehrerin der Graf-Wilhelm-Schule für „PS-Pro-Verfahren“: Demnach müssen die Schüler kleine, einfache Alltagsaufgaben aus den Bereichen „Musikalität und Rhythmus“, „Sprachliches Ausdrucksvermögen“, „Logisches Denken“, „Räumliches Sehen“ sowie „Fein- und Grobmotorik“ absolvieren. Dabei werden sie jeweils von zwei geschulten Lehrern beobachtet, die ihre Eindrücke schriftlich festhalten. Die einzelnen Ergebnisse münden schließlich in einem persönlichen Stärke-Profil, wobei nur jene Begabungen ausgewiesen werden, die „erkennbar“ (mindestens 70 Prozent der bei den Aufgaben erreichbaren Punkte) ausgeprägt sind.
„Ich glaube, wer überall 70 Prozent hat, der kommt gut durchs Leben“, stellte Röhrich fest. Außer der Einstufung „erkennbar“ gebe es aber auch noch die Testate „ausgeprägt“ und „besonders ausgeprägt“. Zu den individuellen Stärke-Profilen würden die BBS Stadthagen außerdem eine Empfehlung von dazu passenden Berufen geben. Sinnvoll sei es im Übrigen, wenn die Schüler ihre Stärke-Profile auch ihren Bewerbungsunterlagen beifügen.
„Das ist ein immens teures Verfahren“, resümierte Christiane Marx, Rektorin der Herderschule. Pro Schüler koste das Verfahren 200 Euro. Davon übernehme die Agentur für Arbeit 100 Euro, während jeder teilnehmende Schüler einen Eigenanteil von zehn Euro zu tragen habe. Der Restbetrag von 90 Euro werde durch Sponsoren gedeckt.
Herwig Henke, der Leiter der Graf-Wilhelm-Schule, hoffte, dass deren Hauptschüler durch das „PS-Pro-Verfahren“ zukünftig wieder bessere Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben. Dies funktioniere jedoch nur, wenn man „alle in einem Boot“ habe – also auch die Eltern der Schüler und die Betriebe, in denen die jungen Leute ihre Schulpraktika absolvieren.