Bückeburg
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Acht kreative Köpfe unter einem Dach aktiv

Aus einer reinen Malschule ist im Laufe der Jahre eine erfolgreiche Ateliergemeinschaft geworden
Petra Sommerburg mag es filigran am liebsten.
Petra Sommerburg mag es filigran am liebsten.

Bückeburg (sig). Landläufig besteht die Meinung, dass Künstler und ebenso Hobbykünstler Einzelkämpfer sind. Ihre Entwicklung vollzieht sich meistens nicht in der Gemeinschaft, sondern jeder für sich sucht seinen eigenen Weg und seinen ganz persönlichen Stil. Bei Frauen ist das aber häufig anders. Sie sind kommunikativer und entwickeln deshalb durchaus einen Teamgeist, wie das bei der Bückeburger Ateliergemeinschaft der Fall ist.

Während der Gründungszeit war Minden der Sitz dieser Gemeinschaft. Das lag an Doris Richtzenhain und an der Bückeburger Malerin Karin von Klützchner. Sie riefen in der benachbarten Weserstadt eine Malschule ins Leben. Als Atelier diente ein Gewächshaus. Daraus entwickelte sich die Ateliergemeinschaft, die später Bückeburg zum Standort wählte. Hier traf man sich zunächst in der ehemaligen Orangerie. Zuletzt erfolgte der Umzug in das erste Geschoss des Hauses Bahnhofstraße 29. Dort stehen drei Räume mit insgesamt 100 Quadratmetern zur Verfügung.

Hier können die sieben weiblichen Mitglieder und der einzige Mann im Team ihre Arbeit fortsetzen und intensiven Erfahrungsaustausch betreiben. Jeweils mittwochs treffen sie sich dort von 10 bis 13 Uhr und begrüßen dazu auch gern interessierte Besucher.

Ein Blick über die Schulter des Unruheständlers Bernd Glißmann offenbart, dass dieser weitgehend surrealistische Motive bevorzugt, um seine Gedanken und Empfindungen auszudrücken. Ein großes Bild gibt seine Jugenderinnerungen wieder – von den Begegnungen in der Gruppe junger Männer bis zur Teilhabe an der heißen Rock’n’Roll-Phase. Danach standen die ersten angehimmelten Freundinnen im Mittelpunkt. Man traf sich in der Disco oder beim Tanztee und stärkte sich zwischendurch mit einer Currywurst bei „Köritzer“.

Erst seit dem Vorjahr gehört die in Röcke wohnende Petra Sommerburg, von Beruf medizinische Fußpflegerin, zur Ateliergemeinschaft. Sie liebt inzwischen ebenfalls die Abstraktion. Ihr früherer Kunsterzieher Karl-Heinz Rosenfeld hatte sie schon in der Schulzeit zum Zeichnen und Malen motiviert. „Er ging mit meiner Klasse zum Malen zum Schloss oder zur Stadtkirche“, erinnert sie sich. Petra Sommerburg bevorzugt das Filigrane. In Nass-in-Nass-Technik gestaltet sie mit Aquarellfarben ganz feine fließende Verläufe.

Auch Gisela Vogt, die mit ihr in einem Raum arbeitet, mag die Aquarelltechnik. „Da muss man von Anfang an wissen, was man will, denn es gibt keine Chance zum Übermalen wie beim Acrylbild“, betont die Bückeburgerin, die durch viele ehrenamtliche Aufgaben bekannt ist. Sie liebt Landschaftsmotive, Stillleben und kleine gefiederte Wesen wie den scheuen Eisvogel. Aus ihrer Heimat kennt die gebürtige Südwestafrikanerin auch die „Pfefferfresser“ mit ihren dicken Schnäbeln.

Im Atelier zu finden ist außerdem Gerlinde Cronjaeger, die sich einst als Lehrerin besonders intensiv dem Kunstunterricht gewidmet hatte. In Köln gab ihr ein Ballettverein Anregungen für historische Tänze und ebenso für die Malerei. Aber sie besitzt noch andere Talente: Mit dem Bremer Domchor gastierte sie einst als Sängerin in Edinburgh und in Barcelona. Gerlinde Cronjaeger experimentiert beim Malen gern. In eines ihrer Bilder hat sie ein Gemüsenetz eingearbeitet, um Strukturen zu schaffen. Auch bei den Motiven ist sie vielseitig. Da gibt es einen Harlekin mit zwei Tänzerinnen, aber auch eine absolut menschenleere Stadt in der Provence, in der offensichtlich gerade Siesta angesagt ist.

Siesta gilt aber offenbar nur sehr bedingt für die Bückeburger Ateliergemeinschaft, die vielmehr äußerst aktiv ist und nach der Ausstellung im Achumer Meierhof bereits wieder neue Pläne hegt. Vielleicht präsentiert man sich eines nicht mehr fernen Tages auch in der Wandelhalle des Eilser „Fürstenhofes“, wo viele Kunstausstellungen stattfinden.

Zu dem starken Team gehören außerdem noch: Magdalena Mützelfeldt, Petrona Kracke, Agnes Kronauer und Renate Gottschalk.

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