Auetal

Pflaster drauf: Trösten ist wichtig, und jeder kann das

Rehren (la). Ein Pflaster im Gesicht, mehrere an den Fingern, und sogar ein Schuh hat eines abbekommen. „Ich habe eine schwere Verletzung im Gesicht“, sagt die zehnjährige Kira Struckmeier und zeigt auf ihr Pflaster, das quer über die Wange geht.

Nein, wirklich verletzt war in der Grundschule Auetal niemand, aber jede Menge Spaß hatten die 16 Kinder der neuen Erste-Hilfe-AG. „Schließlich ist es witzig, wenn man sich gegenseitig überall Pflaster hinkleben kann“, meinte der elfjährige Massimo Carangelo.

Doch bei allem Spaß wurde während der AG-Stunde auch viel gelernt. „Die Kinder sind sehr aufmerksam und interessiert“, freute sich Andrea Lange aus Rolfshagen. Für die DLRG führt die Erste-Hilfe-Ausbilderin seit einigen Jahren den Kindergartentag durch und bietet jetzt auch eine AG an der Grundschule an und zwar ehrenamtlich.

„Mir macht die Arbeit mit den Kindern Spaß, und außerdem finde ich es super wichtig, dass Kinder im Notfall helfen können. Häufig sind sie nämlich die Ersten am Unfallort, egal ob zu Hause, in der Schule oder beim Spielen“, sagte Andrea Lange.

Seit fünf Wochen läuft die Erste-Hilfe-AG für die Dritt- und Viertklässler in der Betreuungsstunde am Dienstag von 12. 15 bis 13 Uhr, und die Kinder sind begeistert. „Ich habe schon ganz viel gelernt“, freut sich Eva Gellermann. „Wenn man ein Pflaster aufklebt, darf man nicht auf die Wunde oder die Fläche auf dem Pflaster fassen, weil sonst Bakterien in die Wunde kommen könnten“, erzählt die Achtjährige.

„Auch verpflastern muss man lernen“, stellt Kira Struckmeier fest. „Man darf eben nicht alles gleich antatschen.“ Diese Stunde fand die Zehnjährige besonders lustig. „Weil wir eben mit unseren Pflastern auch alle witzig aussehen.“ Die Kinder haben das AG-Angebot gewählt, um anderen helfen zu können. „Die AG hat mich angesprochen, weil sie sinnvoll ist und wir viel lernen“, sagte Alina-Sophie Clausing.

„Zuerst muss man schauen, was passiert ist, dann auf den Unfall aufmerksam machen oder Hilfe holen und den Verletzten trösten“, hat Leon bereits gelernt.

„Trösten ist besonders wichtig, denn oftmals hilft das schon sehr, und das kann eigentlich jeder. Das ist ganz einfach“, weiß Alina-Sophie.

In der ersten Stunde haben die Kinder gelernt, wie man am Telefon korrekt einen Notruf absetzt. „Das ist besonders wichtig, und leider beherrschen das sogar viele Erwachsene nicht“, stellte Andrea Lange fest. Die Kinder konnten die fünf Ws schnell aufzählen: „Wo ist der Unfall geschehen? Wie viele Verletzte gibt es? Was ist passiert? Welcher Art ist die Verletzung? Und ganz wichtig: Warten auf Rückfragen und nicht gleich auflegen!“

„Und den Kindern habe ich noch beigebracht, dass sie sich am Telefon mit ihrem Namen melden“, ergänzt Andrea Lange. In den nächsten Wochen bis zu den Sommerferien werden die 16 Kinder noch lernen, dass sie beim Eisessen aufpassen müssen, um Insektenstiche zu vermeiden, und was sie tun können, wenn sie doch gestochen wurden. Erstmaßnahmen bei Vergiftungen, Unterkühlungen und bei Hitzschlag werden besprochen und auf die Gefahren in den eigenen vier Wänden aufmerksam gemacht.

Am Ende erhalten alle Kinder ein „Erste-Hilfe-Deckblatt“ für ihre Mappe und ein Spiel. „Schließlich sind die Kinder dann alle ausgebildete ,Erste-Hilfe-Profis‘, und das muss doch belohnt werden“, sagte Andrea Lange.

In der Grundschule ist man erfreut über das neue AG-Angebot. „Schließlich ist es immer gut, wenn wir Kinder in unseren Reihen haben, die anderen helfen können“, sagte Lehrerin Meike Steinweg. Vielleicht werden die Kinder auch offiziell als Schülersanitäter eingesetzt, die dann mit den Streitschlichtern zusammenarbeiten könnten.

Leon Weil (r.) verpflastert wie ein Profi den Finger von Jan-Hendrik Lange (l.), während Jonas Kunz aufmerksam zusieht.

Foto: la

Artikel vom 03.03.2010 - 23.00 Uhr
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