Guten Morgen

Senf aus der großen weiten Welt

Dass die neu erwachte kulinarische Experimentierfreudigkeit der Deutschen inzwischen nicht nur Fleisch vom Strauß oder Kumquats aus China umfasst, habe ich diese Tage in einem heimischen Supermarkt entdeckt – im Senfregal, wo ich recht häufig zu Gast bin. Neben den Gläsern mit Honig-, Estragon-, und Mayonnaisesenf (wie gewöhnlich inzwischen!) stoße ich auch auf Frauen- und Herrensenf. Der sieht zwar nicht anders aus als anderer Senf, ist „scharf“ (Frauensenf) und „zieht stark durch die Nase“ (Herrensenf). Ungewöhnlich, denke ich. Aber doch nicht so sehr, dass ich das Zeug kaufen möchte. Ich mache einen halben Schritt nach rechts, stoppe vor süßrosa „Liebessenf“ und pinocchioeis-blauem „Trabisenf“ aus Thüringen. Wie ungewöhnlich, denke ich, zögere – und greife daneben, doch zum scharfen Senf. Ich glaube, meine kulinarische Experimentierfreudigkeit ist unterentwickelt. Bei manchen Dingen vielleicht auch ganz gut so. mld

Artikel vom 02.09.2010 - 17.44 Uhr
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