Guten Morgen

Senf aus der großen weiten Welt Dass die neu erwachte kulinarische Experimentierfreudigkeit der Deutschen inzwischen nicht nur Fleisch vom Strauß oder Kumquats aus China umfasst, habe ich diese Tage in einem heimischen Supermarkt entdeckt – im Senfregal, wo ich recht häufig zu Gast bin. Neben den Gläsern mit Honig-, Estragon-, und Mayonnaisesenf (wie gewöhnlich inzwischen!) stoße ich auch auf Frauen- und Herrensenf. Der sieht zwar nicht anders aus als anderer Senf, ist „scharf“ (Frauensenf) und „zieht stark durch die Nase“ (Herrensenf). Ungewöhnlich, denke ich. Aber doch nicht so sehr, dass ich das Zeug kaufen möchte. Ich mache einen halben Schritt nach rechts, stoppe vor süßrosa „Liebessenf“ und pinocchioeis-blauem „Trabisenf“ aus Thüringen. Wie ungewöhnlich, denke ich, zögere – und greife daneben, doch zum scharfen Senf. Ich glaube, meine kulinarische Experimentierfreudigkeit ist unterentwickelt. Bei manchen Dingen vielleicht auch ganz gut so. mld weiter

Guten Morgen

Ein wenig zu viel vorausgesetzt Im Laufe eines Vormittags kommen viele unterschiedliche Anrufe in der Redaktion an. Wird in der Geschäftsstelle gerade telefoniert, gibt es auch schon mal Beschwerden, wenn ein Kunde seine geliebte Zeitung nicht pünktlich bekommen hat. So auch diesmal: „Ich habe heute keine Zeitung bekommen, und die Emmy nebenan auch nicht.“ Gern möchte ich umgehend dafür sorgen, dass die Dame die Neuigkeiten des Tages zum Frühstück genießen kann und frage, wo sie denn wohnt. „Na hier gleich bei dem Schuhladen um die Ecke.“ Und bevor ich etwas konkretere Angaben bekomme, hat sie aufgelegt mit den Worten: „Sie bringen uns ja noch eine, nicht wahr?“ Und nun? Ich fürchte, auf ihre Zeitung werden Emmy und die Nachbarin heute vergeblich warten. blc weiter

Guten Morgen

Weiterhin gute Nachbarschaft Im vergangenen Jahr hat meine Nachbarin ein Tor in den uns trennenden Gartenzaun gebaut, damit wir zum Klönen keine großen Umwege mehr machen müssen. Trotzdem sehen wir uns während der Woche nur selten, der Zeitplan gibt es einfach nicht her. E-Mails dienen als Kommunikationsersatz, sodass wir auch zwischendurch immer auf dem aktuellsten Stand der Neuigkeiten sind. Inzwischen sind wir beide bei Facebook gelandet. Eigentlich praktisch, man muss weniger schreiben, denn durch Kommentare und Bilder ist man auch so „up to date“. Nun will Facebook auch noch den Standort preisgeben, las ich heute, da muss sie nicht mal erzählen, wo sie mit ihrem Mann den Abend verbracht hat. So ferne Nachbarschaft gefällt mir aber nun doch nicht so gut, am besten gehe ich heute Abend mal klingeln. Feierabendbier gibt es bei Facebook eben doch noch nicht. blc weiter

Guten Morgen

Netter Versuch bei Petrus Die andauernde prasselnde Geräuschkulisse ist echt nervend und will kein Ende nehmen. Bei dem Starkregen der vergangenen Tage und Nächte kann man auch nur bedingt einschlafen. Mitten in der Nacht werde ich wieder wach, murmele so etwas wie: „Ruhe da oben!“ Worte, die Petrus und seine Wetterkollegen offenbar ignoriert haben, die aber nicht ungehört blieben. „Netter Versuch“, kommentiert meine Freundin im Halbschlaf. tol weiter

Guten Morgen

Open-Air bei Regen – was tun? Heute Abend ist eine wunderschöne Open-Air-Veranstaltung, auf die ich mich schon seit Wochen freue. Die Karten habe ich bereits im Juni erstanden, bei strahlender Sonne. Seit gestern schaue ich nun etwas bange zum Himmel und denke darüber nach, was ich wohl anziehen soll. Praktisch, wasserunempfindlich und keine hübsche Frisur . Unter einer Kapuze sieht man die sowieso nicht. Den Vorschlag, einen blauen Müllsack einzupacken, habe ich bislang ignoriert. Dabei könnte ich ihn ja klein zusammenfalten und lieber doch mitnehmen, oder besser zwei? Bei Regen kann ich einen vielleicht sogar verkaufen. Dann hätte ich wenigstens einen Teil des Eintrittsgeldes wieder raus. blc weiter

Guten Morgen

Kaffee als Schreibhilfe? Bevor ich anfing, in der Redaktion zu arbeiten, war ich der Meinung, ich könne Kaffee kochen. Darüber wurde ich aber schon am ersten Tag eines Besseren belehrt. Fünf Anläufe brauchte ich damals, bis der Kaffee für die schreibenden Kollegen die richtige Stärke hatte. Natürlich kann ich es inzwischen, und auch alle Volontäre, ob männlich oder weiblich, lernen spätestens hier, wie sie das „Überlebensgebräu für Redakteure“ richtig zubereiten. Ob ein direkter Zusammenhang zwischen gutem Schreiben und gutem Kaffee besteht, ich habe es nie herausgefunden, habe es einfach als Tatsache akzeptiert. Aber es gibt nun auch Kollegen, die nehmen nur Tee zu sich und kochen ihn sogar selbst. Ändern sich etwa die Zeiten? blc weiter

Guten Morgen

Männer denken eben anders Am Wochenende begegnet mir eine Freundin beim Einkaufen. Sie schaut mürrisch drein. Ein Problem mit ihrem Mann? Richtig. Ich erfahre, dass ihre beste Hälfte seit gestern völlig verändert ist. Er reagiert nur unwirsch auf ihre Versuche der Unterhaltung, auch ein gemeinsamer Abend verändert nichts an seiner Grundstimmung. Ihre Vermutung: Er hat eine andere , was sonst? Am Nachmittag höre ich zufällig Fußballergebnisse im Radio: Schalke hat verloren. Moment, ist das nicht sein Lieblingsverein? Jetzt ist alles klar, die andere Frau heißt „Schalke“. Hoffentlich hat die Freundin auch die Nachrichten gesehen. blc weiter

Guten Morgen

Man muss eben Prioritäten setzen „Es ist etwas später geworden“, entschuldige ich mich bei der Bekannten, mit der ich verabredet war. „Aber das Buch war gerade so spannend.“ Wenn mich ein Buch sehr fesselt, vergesse ich Zeit und Raum, der Staubsauger bleibt in der Ecke und die Küche eben kalt. Habe ich viele Termine, fange ich vorsichtshalber einfach kein neues Buch an. Jedenfalls kein dickes. Ein dünnes Büchlein mit abgeschlossenen Erzählungen kann so schlimm ja nicht sein, meinte ich vor einigen Tagen, ein paar Seiten sind schnell gelesen. Allerdings habe ich da die Rechnung ohne den Autor gemacht: Schon die erste Geschichte war so spannend, dass ich unbedingt wissen musste, ob die anderen ähnlich gut geschrieben sind. Dumm gelaufen, Staubsauger, Du wirst noch etwas warten müssen. blc weiter

Guten Morgen

Mit vereinten Kräften gerettet „Wir sind dankbar, dass uns Badegäste geholfen haben“, hat Jan-Hendrik Reese von der DRLG-Ortsgruppe Rolfshagen gestern erklärt. Es geht um die Rettung eines Ertrinkenden am Doktorsee (wir berichteten gestern) am Samstag, die anfangs eher eine Gemeinschaftsaktion als ein reines Verdienst der DLRG-Retter war. Im Wasser hatten die Badegäste Mario Pollmann, Fabricio Valvo und Guiseppe Licciardi bemerkt, wie der Familienvater aus Detmold plötzlich unter- und nicht wieder auftauchte. Sie riefen um Hilfe und erwarteten diese aus Richtung DLRG-Rettungsstation. Sie kam aber schneller von zwei DLRG-Helfern, die sich an der Rutsche befanden. Reese selbst trug dabei keine DLRG-Kleidung. Er stürzte sich mit seiner Kollegin Manon Lehmann ins Wasser, um die von den drei Badegästen bereits gestartete Suche zu unterstützen. Mario Pollmann spürte als Erster eine Berührung, die er als den Mann deutete. Reese tauchte nun in Pollmanns direkter Nähe und holte den Ertrinkenden an die Oberfläche. Mit vereinten Kräften wurde der Mann an Land gebracht, wo DLRG-Kräfte und ein Notarzt dann alles Weitere veranlassten. Allen Helfern gebührt Dank. dil weiter

Guten Morgen

Er hat gar nicht gestört In Rinteln herrschte Skepsis gegenüber dem Fürstenbesuch, trotzdem stürzten sich viele intensiv in die Vorbereitungen. Was bleibt? Auf dem ohnehin wegen des Wetters gut belebten Marktplatz gab es ein paar hundert Zusatzgäste, und die „Vivat, vivat“-Rufe am Schluss zeigten ebenso wie an der Eulenburg, dass Träume vom Glanz einer Monarchie noch in manchen Köpfen herumspuken. Sei’s drum, schöne Bilder gab es, quälend lange Petitionen dazu. Und an der Eulenburg reckten Pastoren neben dem Fürstendarsteller noch Plakate für die „Lange Nacht der Kirchen“ hoch. Vom Hingucker profitieren – das Leben geht schließlich weiter, und der Fürst ist jetzt sowieso wieder weg. Er wünschte der Weserstadt auch für ihre Feste alles Gute. Das hat wohl gewirkt, die Kirchen waren voll, die Stimmung bestens. Und auch beim historischen Markt gab es nach anfangs gähnender Leere ein zumindest optisch gelungenes Finale. Fürst Ernst hat die Stadt nicht voller gemacht, aber er hat auch nicht gestört und einen guten Eindruck hinterlassen. In 400 Jahren kann er gerne wieder kommen, sollte sich dann aber mit der Kirche wegen des Termins besser und früher absprechen. dil weiter

Guten Morgen

Sachen gibt’s, die gibt es nicht Ich habe ein Loch in der Wand, etwa so groß wie ein Ziegelstein, und es ermöglicht den Durchblick vom Treppenhaus ins Badezimmer der oberen Wohnung. Entstanden ist dieses Loch nicht absichtlich, sondern durch einen Wasserschaden, bei dem das Leck gesucht und auch gefunden wurde. Jetzt war der Maurer da, um die inzwischen wieder trockene Wand zu verputzen. Allen Ernstes fragte er, ob denn dieses Loch bleiben soll. Einen Grund dafür konnte er mir nicht sagen. Wollte er mir sagen, dass bei den alten Leitungen das nächste Leck nur eine Frage der Zeit ist. blc weiter

Guten Morgen

Prüfe deine Zuständigkeit Wie gut, dass wir ein Bürgerbüro haben. Da sind zu Öffnungszeiten durchgehend kompetente Ansprechpartner, und fast jeden Behördengang kann man dort kurzfristig erledigen. Leider hat nicht jedes Amt ein solches Büro mit guten Geistern, und so stehe ich in einer Behörde, um etwas ändern zu lassen. Der Raum, in dem der zuständige Sachbearbeiter jetzt eigentlich sitzen müsste, ist leider zu. Auch nach zehn Minuten Wartezeit ändert sich nichts an diesem Zustand. Bevor nun auch noch offiziell geschlossen wird, versuche ich mein Glück in einem anderen Raum. Der Mann hört sich mein Anliegen an, kommt aber zu dem Ergebnis, dass er nicht zuständig ist. Das macht der Kollege in dem vorigen Raum. Der ist aber immer noch nicht wieder da. Bleibt mir nur, mein Anliegen schriftlich einzureichen und zu hoffen, dass der Kollege bis zum Eintreffen des Briefes wieder aufgetaucht ist. blc weiter

Guten Morgen

Haben Sie gut geschlafen? Ich kann hervorragend schlafen. Kaum hat mein Kopf das dazugehörige Kissen erreicht, bin ich auch schon fast im Reich der Träume. Das mag daran liegen, dass ich meist zu wenig schlafe. Zwar bin ich morgens noch müde, wenn der Wecker klingelt, abends, wenn es Zeit wird für die Nachtruhe, dagegen putzmunter. Tausend Dinge fallen mir dann ein, die noch wichtig sind. Damit ich morgens nicht verschlafe, parkt mein Wecker auf dem Schrank, mein Handy als Notwarnsystem auf der Kommode. Heute war ich gegen meine Natur auf einen Schlag hellwach, weil ich beim Umdrehen auf etwas Hartem landete: Wecker und Handy lagen schön warm zugedeckt in meinem Bett. Die muss ich wohl im Blindflug daran gehindert haben, weiter solchen Lärm zu machen. Auf die innere Uhr ist Verlass. blc weiter

Guten Morgen

Wunderbarer Wochenanfang An sich ist ein Montagmorgen nach 14 Tagen Urlaub sowieso nicht die beste Zeit in der Woche, die man als Arbeitnehmer haben kann. Wenn dieser Morgen dann auch noch, wie bei mir, mit einer Kariesbehandlung beim Zahnarzt beginnt, ist das vielleicht kein besonders gutes Omen. Und dann klinge ich wegen der lokalen Betäubung, die den halben Mundraum, die Tschunge schowie dasch komplette Kinn taub macht, auch noch den halben Tag lang wie Donald Duck. Und dann auch noch das: Sobald die Anästhesie nachlässt, kommen sie – die Zahnschmerzen. Ach, und vom Wetter will ich erst gar nicht reden. mld weiter

Guten Morgen

Wohl dem, der einen Schirm hat Bei sommerlichen 25 Grad wurde das Altstadtfest eröffnet, eine Stunde später waren es nur noch 17 Grad, es regnete in Strömen, wenn auch nicht durchgehend. Manche Besucher, die in Badelatschen, Shorts und weiter
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