Kultur SZ

Verliebter Bestseller-Autor wider Willen
Von Frank WestermannSteinbergen. Einen Augenblick lang überlegt Kellner David Kern noch, hört

Dieser Literaturbetrieb schafft einen: Hannah Herzsprung und Daniel Brühl haben Mühe, ihre zarte Liebe zu pflegen – zumal da einer weiß, dass sie auf einer Lüge basiert. Foto: Verleih

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Die gleichnamige Buchvorlage des Schweizer Autors Martin Suter war vieles: Liebesgeschichte, eine Betrugs- und Erpressungsstory, eine Parodie und hellsichtige, bissige Satire auf einen Literaturbetrieb, in dem keine List zu abwegig und keine Lüge zu platt ist – dem Erfolg wird alles untergeordnet. In der Verfilmung von Regisseur Alain Gsponer liegt der Fokus deutlich stärker auf der Liebesgeschichte: Marie (Hannah Herzsprung) ist über die Maßen stolz auf das Talent ihres Freundes; David (Daniel Brühl) versucht ein ums andere Mal, seinen Betrug einzugestehen, doch vergeblich.

Zwar gibt es noch den einen oder der anderen Seitenhieb gegen den gut geölt laufenden Literaturbetrieb, der Betriebstemperatur erreicht, als Kerns abgekupferte Schmonzette vom Kritikerpapst als Ende der Postmoderne ausgerufen wird, aber die Bissigkeit der Vorlage blitzt nur gelegentlich durch.

Punkten kann „Lila, Lila“ mit einem hervorragend aufgelegten Schauspielertrio. Daniel Brühl überzeugt als schüchterner, leicht autistischer Kellner, der plötzlich ins Schweinwerferlicht der Öffentlichkeit gezerrt wird. Hannah Herzsprung lässt sich das Herz brechen, ohne den Grund zu erkennen, und Henry Hübchen als Erpresser Jackie Stocker, der seinen Teil vom Kuchen haben möchte, gibt einen heruntergekommenen Herumtreiber, der schon nach dem vierten Auftritt den Zuschauer darüber rätseln lässt, ob über Totschlag im Affekt nicht doch zu undifferenziert diskutiert wird: Es gab lange keine Figur mehr im deutschen Film, die so schnell so heftig gehasst werden konnte. Und Hübchen gibt dem Affen mit markigen One-Linern kräftig Zucker.

Unter dem berühmten Strich steht eine durchaus unterhaltsame und auch berührende Tragikomödie, die das offene Ende der Buchvorlage ein bisschen weiterdenkt, aber dennoch den Eindruck erweckt, ihr bissiges Potenzial weitgehend verschenkt zu haben.

Artikel vom 12.02.2010 - 23.00 Uhr
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