Kultur SZ

Teuflisch schwierig für Ernst

Düdinghausen (jpw). Ob sie ihn wieder aufstellen dürfen? Das soll Fürst Ernst entscheiden, denn der „Düdinghäuser Teufel“ stammt aus seinem Schloss in Sachsenhagen. Seine Untertanen wollen ihn – heute aus touristischen Gründen – gerne wieder zurück haben.

„Nennen Sie ihn bloß nicht ,Teufel‘“, sagt Ulrike Fiedler-Meyer, Inhaberin des Gasthauses „Zur Erholung“ in Düdinghausen. „Es handelt sich um eine Pansäule“.

Ein wenig scheint in Düdinghausen immer noch die Befürchtung mitzuschwingen, ihre einstige Attraktion, ihr „Teufel“, würde ihnen wieder von einer allzu übereifrigen Kirchenobrigkeit weggenommen und zerschlagen, so wie es wohl der frühere Kirchenrat der Schaumburg-Lippischen Landeskirche, Paul Brunstermann, in seiner Zeit als Steinhuder Pastor zwischen 1925 und 1927 getan haben soll. Von dieser Form einer „Teufelsaustreibung“ berichtete vor einigen Jahren der Vater der Gasthaus-Besitzerin, Wilhelm Meyer.

Als einzige Anschauung der fast mannshohen Säule blieb das Bild auf einer Postkarte, die ein Stadthäger Sammler auf einem Flohmarkt entdeckt hat. Diese zeigt den damaligen Gastwirt Meyer im Kreise von Männern, die dem Fotografen stolz ihre in ganz Schaumburg bekannten steinernen Funde präsentieren; die Unterzeile lautet „Düdinghäuser Teufel“.

Drähte nach Obernkirchen

Die spektakulären Funde und ihr jähes Ende blieben im Ort unvergessen. Seit einiger Zeit reifte der Gedanke, diese Pansäule wieder aufstellen lassen zu wollen. Fiedler-Meyer und weitere Düdinghäuser ergriffen anlässlich des bevorstehenden Fürstenbesuches die Initiative; Bürgermeister Kurt Blume machte sich auf die Suche nach einer kostengünstigen Möglichkeit, den „Teufel“ wieder erstehen zu lassen, spann Drähte zum „Obernkirchener Bildhauersymposion“ und auch zur Niedersächsischen Ausbildungsstätte der Steinmetze in Königslutter, bislang noch ohne greifbares Ergebnis.

Die Düdinghäuser geben sich vorerst mit dem Bild von der Postkarte zufrieden, wollen es vergrößern und auf Holz ziehen, um es dem Fürsten zu präsentieren, wenn er am 20. August auf seinem Friedenszug durch Düdinghausen reist.

Mit Spannung wird erwartet, was seine „Hochfürstliche Durchlaucht“ zum „Pan-Teufel“ zu sagen hat. Um ihn gütig zu stimmen, wir der Gemischte Chor – der sich sängerisch eigentlich schon zur Ruhe gelegt hatte – getreu dem Fürstenvorbild wieder auferstehen und Ernst mit einem Ständchen begrüßen. Er, der mit der „Ernestina“ selbst die bis heute gültige Kirchenordnung schuf, soll – so hoffen die getreuen Untertanen – die pastorale „Teufelsaustreibung“ für nichtig erklären.

Gastwirt Meyer und drei weitere, unbekannte Männer mit dem „Düdinghäuser Teufel“.

Foto: pr.

Artikel vom 29.05.2010 - 00.00 Uhr
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