Kultur SZ
Musikalische Klänge voller feiner AbstufungenRinteln/Hülsede (dis). Aufschlussreich und anregend sind sie immer, die Veranstaltungen der von Kreiskantor Wolfgang Westphal gegründeten und geleiteten „Schaumburger Sommerkonzerte“. Stets werden in den unterschiedlichsten Gotteshäusern in Sachen Interpreten und Bauwerken Entdeckungen gemacht. Da bildete auch die diesjährige Eröffnungsveranstaltung in der altehrwürdigen Aegidien-Kirche Hülsede keine Ausnahme. Der mit uralten Wand- und Deckenmalereien verzierte Spielort trug einem ungewöhnlichen Duo Rechnung: der Oboistin Cornelia Mutzenbecher und dem Organisten Jobst-Hermann Koch.
Wer glaubt, dass sich für die Besetzung kein einstündiges Programm finden lässt, irrt. Denn wenn zwei Künstler so tief im Musikfundus graben wie die Bläserin von der Staatsoper Hannover und der renommierte Organist, stößt auf manch exquisite Komposition: Beispielsweise auf Joh. Ph. Kirnbergers viersätzige „Sonate B-Dur“.
Gleich in diesem Stück, das einen besonderen Reiz ausstrahlte, erwies sich, welch schöne Einheit die Oboe mit ihrem sehr tragfähigen Ton und die Orgel einzugehen vermögen. Vor dem harmonischen Hintergrund dreier Sätze holte das Soloinstrument zu weit schwingenden Melodien-Bögen aus, die von markanten rhythmischen Partien der Orgel kontrapunktiert wurden.
Ausdrucksvoll und differenziert gestaltete Mutzenbecher zudem das von Koch eingerichtete „Concerto d-Moll“ aus der Feder Alessandro Marcellos. Da schmeichelte das Andante e spiccato dem Ohr genauso wie das sanfte Adagio und schließlich das quirlige Presto. Dabei wurde die Solistin abermals von ihrem Partner anpassungsfähig und unter voller Nutzung der
Schattierungsmöglichkeiten der kleinen Orgel begleitet. Virtuos verschmolzen die Instrumente zudem, als es galt, „Prélude, Fugue et Variation op. 19“ in einer Fassung von César Franck in warmes Licht zu tauchen. Die vielen Konturen dieser Musik malte Mutzenbecher mit solch geschmeidiger Artikulationsfähigkeit aus, dass der lange Beifall eine Zugabe geradezu heraufbeschwor.
Erholungspausen gönnte Jobst-Hermann Koch der Kollegin zwischendurch mit Orgelvorträgen. Farbig registriert spielte er unter anderem C. Ph. Emanuel Bachs melodiöse „Sonate a-Moll“ und verriet in Wilhelm Friedemann Bachs „Fuge in c-Moll“ sowie in dessen „Zwei Fugen in Es und B-Dur“ seine Könnerschaft.
Am morgigen Sonntag, 27. Juni, steht um 17 Uhr in der Petri-Andreae-Kirche zu Hohenrode das zweite Schaumburger Sommerkonzert mit der Organistin Seung Yon Kang aus Hamburg auf dem Programm.