Ihren zunächst rätselhaften Namen „Quilitz“ verdankt die neue Show im GOP-Varieté Bad Oeynhausen dem fernsehbekannten Moderator Martin Quilitz, der scherzend und plaudernd durch das Programm führt und dabei den umwerfenden Künstlern angenehmen Respekt zollt, indem er selbst erst ganz am Ende zeigt, dass auch er Einzigartiges kann: Rocksänger Joe Cocker so radikal überspitzt und trotzdem perfekt nachzuahmen, dass man bei dem biertrunkenen Song: „With a little Help of my Friends“ vor Lachen vom Stuhl fallen könnte.
An Quilitz’ Seite steht der amerikanische Komödiant und Schauspieler Paul Nathan als dicker Zauberer und Quatschmacher, und beiden zusammen merkt man die Freude an, Artistenkollegen zu präsentieren, die wie aus einem Varieté-Himmel auf die Erde herabgestiegen zu sein scheinen, weil sie so überirdisch bezaubernde Nummern zu bieten haben. Ethan Law aus Kanada zum Beispiel, wie er erst mit seiner süßen Kollegin Marie-Pier Campeau ein Liebesspiel spielt, indem sie sich gegenseitig mit den Füßen in die Luft schleudern und wieder auffangen als sei das die selbstverständliche Art, Begehren und Entziehen auszudrücken, und wie er dann als Einzelner ein großes, sehr schweres Metallrad (Cyr-Wheel) zu seinem Gegenüber erwählt, das er über die Bühne tanzen lässt und sich dann in seinen Kreis begibt, um darin wilde Runden zu drehen, dramatisch und doch von unglaublicher Gelassenheit geprägt.
Solche Nummern können in ihrer Einzigartigkeit und schönen Perfektion kaum überboten werden, aber gleichzuziehen mit Ethan Law, das vermögen einige durchaus. Da ist Deutschlands jüngster Profijongleur, der 17-jährige Thomas Janke, der schon jetzt unzählige internationale Preise gewann, weil kaum jemand Bälle und Ringe so rasend schnell tanzen lassen kann. Dann Mila Roujilo, eigentlich auch Jongleurin, die aber nun leuchtende Hula-Hoop-Ringe um ihren Körper spielen lässt, und das ist von einer solchen Sinnlichkeit, dass man gar nicht klatschen will, um den Zauber, der von ihr ausgeht, nicht zu unterbrechen.
Ähnlich faszinierend ist die Nummer von Pavel Stankevych aus der Ukraine. Was so nüchtern „Handstand-Darbietung“ heißt, wird in seiner Inszenierung zu einer Art Freiheitskampf, der nur durch Schönheit, Kraft, Mut und Ausdauer gewonnen werden kann. Zwischen vier hohen Stangen gefangen, die sein Turngerät sind, an dem er sich beweist, aber auch ein scheinbar unüberwindbares Gefängnis für Körper und Seele, kann er schließlich doch entfliehen, und es ist nicht einmal klar, ob es ihn glücklich macht.
Zwischen diesen sensibel ausgefeilten Artistikgedichten kommt dann noch nicht mal unbefangener Spaß zu kurz. Die beiden Moderatoren, dazu Varieté-Veteran Tony Manducas und sein Kompagnon Alex, die mit ihrer clownischen Akrobatik schon zwei Mal den Silbernen Bären erhielten, und wechselnde Überraschungsgäste, sie bieten Kontrapunkte zur puren Poesie und sorgen dafür, dass die Show „Quilitz“ zum reinen, ungebrochenen Vergnügen wird.
Kartenvorbestellungen unter der Nummer (05531) 7 44 80.
Pavel Stankevych aus der Ukraine vollführt einen Handstand auf den Köpfen zweier Zuschauer.
Registrieren

Heute
Do



