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Gefangen in der Comic-Helden-Wiederholungsschleife

„The Amazing Spider-Man“: Fünf Jahre nach dem letzten Teil wird alles wieder auf null gestellt – muss das sein?
Der neue Spider-Man trägt die Haare etwas wuscheliger. Das gefällt den Mädchen. Foto: Verleih

Fünf Jahre erst sind seit dem letzten Spider-Man-Film vergangen, schon gibt es einen Neustart, einen sogenannten Reboot. Alles wird auf null gestellt und neu erzählt: Die High-School-Probleme, die Tante und der Onkel, das Mädchen, der Wissenschaftler, die heimliche Schuld am Ableben des Oheims, der Biss der Spinne – alles wie bisher, nur halt einen Tucken anders. Braucht es da einen neuen Spider-Man?

Die Antwort lautet: Jein.

Ja, weil Andrew Garfield ein wirklich guter Spiderman ist, der den Film zu einem vollkommen eigenständigen Werk macht. Er ist nicht so weich wie sein dreimaliger Vorgänger, er ist häufig sogar ziemlich wütend und deutlich dünnhäutiger. Und Regisseur Marc Webb liefert, was das Blockbuster-Publikum sehen möchte: Spider-Man gegen den Lizard auf einer Brücke, in einer Schule und auf einem Wolkenkratzer – drei richtig sehenswerte Action-Einschübe kommen mit dem notwendigen Krachbumm daher und sind zudem noch abwechslungsreich und kurzweilig gestaltet. Und als eigenständigen Kniff darf das Publikum immer mal wieder buchstäblich durch Spider-Mans Augen schauen, etwa wenn sich unser spinnerter Freund durch die Häuserschluchten schwingt, dann kommt auch der 3D-Effekt richtig zum Tragen. Toll.

Und die Antwort lautet nein, weil diese Filme durch ihren unfassbaren Erfolg dazu führen werden, dass wir in einigen Jahren wohl nur noch Comic-Verfilmungen sehen werden. Die, zugegeben, sehr unterhaltsamen „Avengers“ haben die Milliarden-Marke geschafft, auch der neue Batman, der im nächsten Monat über die Leinwand flattert, wird auf Wochen hinaus die Kinos belegen und so ziemlich jeden Rekord brechen, wie das täglich größer werdende Gesumme im Netz vermuten lässt, am Ende des Jahres erscheint noch der neue Bond, ehe 2013 Superman wieder abhebt – es sind immer die gleichen Geschichten vom Kampf gegen das Böse; reines Popcornkino, bei dem man gut und gerne das Gehirn zu Hause lassen kann, ohne irgendetwas beim Zuschauen zu verpassen, wenn auf der Leinwand die schnell geschnittene Hochmesse des Entertainments gelesen wird.

Dass weniger mutige Filme gar nicht erst gedreht werden, wenn nur noch die Comicverfilmungen an der Kasse funktionieren, liegt auf der Hand, dass unsere Kinolandschaft verarmen wird. Und wenn die Comic-Helden einmal müde sind, dann gehört die Leinwand den Hits von gestern, dem König der Löwen, der Titanic oder Stars Wars, die in aufgepeppten 3 D-Versionen noch einmal ins Kinorennen geschickt werden und dabei noch einmal richtig Kasse machen (auch wenn Titanic in 3 D toll war; nicht wegen der Effekte, sondern weil deutlich wurde, dass ein derartiger Film wirklich gut nur auf der großen Leinwand funktioniert; dafür werden Filme gemacht, schien der Blockbuster drei Stunden lang im Subtext zu flüstern).

Und während man im neuen Spider-Man in der Serienhelden-Wiederholungsschleife sitzt, fällt auf, wie toll Emma Stone ist als neue Freundin (nein, sie ist nicht Mary Jane II), und dass der Anteil der High-School-Szenen deutlich gestiegen ist, weil sich das wohl stärker mit der Lebenswirklichkeit der weltweit anvisierten jugendlichen Zuschauermenge überschneidet, und wie anrührend dieser Film oftmals ist.

Ein ganz tolles Bild, das den Film mit der Wirklichkeit im Wortsinn vernetzt, gibt es auch: Da hockt der Spinnenmann in der Kanalisation auf unzähligen dünnen Seilen, die in alle Richtung führen – so wie Milliardär Mark Zuckerberg in seinem Facebook-Universum.

Und dass Andrew Garfield die Frisur ein bisschen wuscheliger als sein Vorgänger trägt, das soll hier auch mal festgehalten werden.

Durchschnittliche Comic-Kost das alles, also sehr gut.

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