Kultur SZ
Fulminanter TastenzaubererObernkirchen (dis). Das Klavierkonzert im Zuge der von Nico Benadie ins Leben gerufenen Reihe „Internationale Konzerte im Stift“ hat besonders starke Eindrücke beschert. Der gebürtige St. Petersburger Alexey Lebedev erwies sich als hochmusikalischer, fleißiger Tastenzauberer, dem sein eigenwilliges Spiel und die geballte tonliche Kraft gut anstanden.
Gleich beim Auftakt mit Bach-Busonis „Chromatischer Fantasie und Fuge d-Moll“, BWV 903, gehorchte die Fingerfertigkeit des sympathischen Gastes dem Kopf so sehr, dass sich die Sätze unversehens in ein Stück verwandelten, in dem Freiheit und Weiträumigkeit eine große Rolle spielten – was dieses kühne Opus vor jeder puristischen Dürre bewahrte. Anschließend schlug der Solist mit entwaffnendem Draufgängertum bunte Funken aus György Kurtágs spieltechnisch Äußerstes verlangender Bildergeschichte „Játékok“, die zu einem Feuerwerk geriet. Auch mit Aleksandr Skrjabins früher „Fantasie h-Moll“, op. 28, hielt der charmant moderierende Künstler sein Publikum gebannt in den Sitzen, zumal er sich gut mit der harmonischen Mystik des Meisters auskannte, der zu seinen Kompositionen farbige Gemälde im Hinterkopf „getragen“ haben soll.
Robert Schumanns erst vor einem Jahr veröffentlichten „Etüden in Form freier Variationen über ein Thema von Beethoven“ ohne Reihenfolgenorm, bei denen unter anderem Teile aus der siebten, sechsten und neunten Sinfonie durchschimmerten, lagen bei dem Interpreten nach der Pause in flinken Händen. Hier ließ Lebedev mit seiner universellen Tonsprache die Facetten nur so blinken. Im Chopin-Block – zwei von vier Mazurken aus op. 24 und der Etüde h-Moll – machte der Pianist den von vollem Einsatz geprägten Gestaltungswillen abermals deutlich und vermittelte einen Querschnitt Chopin’scher Eigenart. Zuhause fühlte sich der nimmermüde Spezialist darüber hinaus beim Spanier Manuel de Falla und dessen bunter „Fantasia Baetica“. Lebedev brachte abermals intensiven Klang und federnde Rhythmik ins Spiel.
Das beifallsfreudige Auditorium verlangte trotz fortgeschrittener Zeit nach Zugaben, die ihm mit dem dritten und zweiten Satz aus Haydns „As-Dur Sonate“ reichlich gewährt wurden.